Finanzmarkt : Dilettanten mit Geld

Das Ende der Sachsen LB beschleunigt den Fusionsprozess der Landesbanken - die Widerstände in den Ländern sind dagegen weiterhin hoch.

Alfons Frese

Eine Mine nach der andern geht nun hoch unter den Sesseln von vermeintlich seriösen Bankern. Mit viel zu riskanten Anlageformen haben die Herren der Sachsen LB das Institut so ruiniert, dass nur die Unterwerfung vor den Akquisiteuren aus Stuttgart vor dem Untergang schützte. Ursprünglich hatte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt eine Fusion der Landesbanken auf Augenhöhe angestrebt. Nun wird aus der Landesbank der Sachsen eine Zweigstelle der Württemberger.

Jochen Sanio, der Chef der Bundesanstalt für Finanzaufsicht, sieht offenbar noch so viele Risiken in den Büchern der Sachsen, dass die reiche Landesbank Baden-Württemberg helfen muss. Das Desaster der Sachsen ist ein weiteres Beispiel für die Abenteuerlust, mit der öffentlich-rechtliche, unter dem Einfluss von Landespolitikern stehende Landesbanken Geld ausgeben . Wie die Bankgesellschaft Berlin nach der Wende, wie die einst so großartige WestLB, die ihre Macht in Nordrhein-Westfalen auf dem Londoner Zockerparkett verspielte, wie die Bayern LB und ihre Unterstützung des Münchener Medienpleitiers Leo Kirch. Und nun die Sachsen.

Ein wenig liegt der Wahnsinn im Geschäftsmodell der Landesbanken begründet: Mit normalen Kunden haben sie in der Regel nichts zu tun, das Geschäft machen die Sparkassen. Und bei der lukrativen Betreuung von Übernahmen und Fusionen sind sie zumeist auch nicht dabei, das machen Investmentbanken. Also haben sich die Landesbanken andere Felder gesucht, Spezialfinanzierungen wie die hochkomplizierten Produkte rund um den amerikanischen Immobilienmarkt. Schätzungen zufolge sind die deutschen Landesbanken mit bis zu 100 Milliarden Euro im Geschäft mit renditestarken, aber risikoreichen Finanzinstrumenten. Es wird allerdings gefährlich, wenn – wie aus Sachsen zu hören ist – die Macher der Bank von diesen Finanzinstrumenten nicht viel mehr verstehen als ein Angestellter am Bankschalter.

Dennoch hat sich so mancher Sparkassendirektor am Sonntag gefreut, als die Sachsen von den Stuttgarter Kollegen unter die Fittiche genommen wurden. Bestimmt Heinrich Haasis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Haasis hat mit mehr als fünf Milliarden Euro der Sparkassen die Berliner Landesbank gekauft und will die Landschaft der Landesbanken ganz neu bestellen. Zu Recht. Die elf Institute, die es noch gibt, dienen vor allem Politikern und Bankvorständen zur Sicherung von Pfründen und Einfluss. Sozusagen als Zentralbanken der Sparkassen haben sie kaum noch eine Existenzberechtigung. Und wenn doch, dann ganz gewiss keine elf. Haasis selbst findet drei ausreichend, andere sogar nur zwei. Die Widerstände gegen die Zusammenlegung sind allerdings groß bei den Landesfürsten.

Das bittere Ende der Sachsen LB schwächt nun die Position der Besitzstandswahrer. Auch sie werden die Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen in einigen wenigen Instituten akzeptieren müssen. Damit weniger Dilettanten auf den Märkten Milliarden verspielen.

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