Finanzmarkt : Geschäft mit der Krise

Die Investmentbank Goldman Sachs macht wieder Milliardengewinn - weil der Finanzmarkt noch immer unreguliert operiert. Geht das so weiter, kommt der nächste Kollaps.

Ewald B. Schulte

Mit einem Rekordergebnis hat sich mitten in der Rezession einer der ganz großen Player des Weltfinanzgewerbes zurückgemeldet. Allein im zweiten Quartal haben die Investmentbanker von Goldman Sachs einen Gewinn von 3,4 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Dieser Gewinnausweis ist um so spektakulärer, wenn man berücksichtigt, dass die Bank im letzten Monat die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in Anspruch genommene Staatshilfe von zehn Milliarden Dollar zurückgezahlt hat, was in der Quartalsbilanz als Einmalbelastung zu verbuchen war.

Mit der Rückzahlung der Staatshilfe plus der darauf fälligen Dividende von 426 Millionen Dollar hat sich die Bank freigekauft. Sie ist an reglementierende Auflagen des Staates nicht mehr gebunden. Das betrifft insbesondere die Gehälter der Führungskräfte und die Gewährung von Sonderboni. Allein für die Bonuszahlungen legte die Bank im zweiten Quartal den stolzen Betrag von 6,6 Milliarden Dollar zurück. Setzt Goldman Sachs die Erfolgsstory im zweiten Halbjahr fort, winken den Bankern Bonuszahlungen in bislang nicht gekannter Dimension. Damit verfügt die Bank auch über exzellente Argumente, wenn es darum geht, der noch unter Staatskuratel stehenden Konkurrenz die besten Kräfte streitig zu machen, um sich selbst so noch besser aufzustellen.

Eigentlich ist es ein positives Zeichen, wenn Banken wieder Geld verdienen, könnte man dies doch als Indiz dafür werten, dass sich die Weltwirtschaft allmählich wieder erholt. Doch das US-Geldgewerbe ist der übrigen Wirtschaft voraus: Wenn hier die Gewinne wieder sprudeln, hat die Realwirtschaft die Talsohle noch längst nicht erreicht, gehen noch täglich zigtausende Arbeitsplätze verloren und ist ein Ende der Zwangsversteigerungen von Eigenheimen nicht absehbar.

Die Gewinne von Goldman Sachs resultieren zudem vor allem aus dem Geschäft mit der Krise. Das Gros der Erträge hat die Bank im Handel mit Aktien und Anleihen erzielt, die derzeit starken Schwankungen unterliegen. Dabei profitierte sie davon, dass die Zentralbanken die Geldinstitute schon seit geraumer Zeit zu extrem günstigen Konditionen mit frischem Geld ausstatten. Und davon, dass eine ganze Reihe früherer Konkurrenten aufgeben mussten.

Üppige Bonuszahlungen für Banker, die mit ihrer Zockerei die Finanzkrise verursacht haben, sind da moralisch kaum vertretbar. Doch Moral hatte an der Wall Street und den anderen Finanzzentren dieser Welt noch nie einen besonders hohen Stellenwert.

Der Bank ist es kaum vorzuwerfen, dass sie auch jetzt versucht, ihren Gewinn zu maximieren und dabei nach den gleichen Spielregeln agiert wie vor der Krise. Wenn sich daran etwas ändern soll, muss die Politik agieren. Die hat global Billionenbeträge eingesetzt, damit im Casino der Weltfinanz das Licht nicht ausgeht und dafür die Haushalte weit über alle zumutbaren Grenzen hinaus ausgereizt. Folgen jetzt nicht schleunigst die neuen Spielregeln – also die umfassende Regulierung des gesamten Finanzsektors – droht das nächste Marktdesaster.

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