Meinung : Fischer im Kreuzfeuer: Erfolgreich rumgeeiert

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Flagge zeigen, Standpunkt beziehen: Solch markige Forderungen waren an den Außenminister herangetragen worden, bevor er sich zum Antrittsbesuch bei der neuen US-Regierung nach Washington aufmachte. Offenbar macht sich zunehmend neudeutsche Unruhe breit. Klarheit soll herrschen, Eindeutigkeit. Weil wir doch wieder wer sind, darf unser höchster Diplomat in derart wichtigen Fragen wie einer Raketenabwehr (NMD) oder eines Raketenangriffs (auf den Irak) nicht herumeiern. So etwas wird als würdelos empfunden. Wer es dennoch tut, gerät in den Ruf des Genscherismus. Joschka Fischer ist natürlich ein Genscherist. Das ist der Preis für eine kluge statt einer entschiedenen Außenpolitik. Beispiel NMD: Wäre es vernünftig, sich bei einem Projekt, von dem niemand weiß, ob es je realisiert wird, festzulegen - und damit entweder Amerikaner oder Russen zu verprellen? Beispiel Raketenangriffe: Über Fischers Demutsgeste lässt sich streiten, aber welchem deutschen Interesse hätte er mit einer Verurteilung gedient? Will Berlin, einen Monat nach Amtsantritt Bushs, die transatlantische Konfrontation? Nein, Fischer hat in den USA den richtigen Ton getroffen. Und das ist, bedenkt man seine Lage, ein bemerkenswerter Erfolg.

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