Meinung : Fischers Vermächtnis

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Da freut sich Joschka Fischer. Noch bevor er im Herbst mit seiner Familie in die USA zieht, um an der Eliteuniversität Princeton als Gastprofessor zu unterrichten, übt er schon mal – damit ihn in Deutschland keiner so bald vergisst. Fischer weiß um das Thema, das sich dafür so gut eignet wie kein anderes: die Frage möglicher Koalitionen. Sie lässt sich regelmäßig stellen und löst regelmäßig eine erregte Debatte aus. Eines der simpelsten Rezepte aus dem politischen Geschäft also. Fischer scheint es zu genügen, um sich selbst zu beweisen, dass er das Regelwerk des Buhlens um Aufmerksamkeit noch beherrscht. War die Rolle des Ex-Ministers und Hinterbänklers so bitter? Dass jetzt nach der WM das Sommerloch kommt und leichter Gehör zu finden ist, mag er kalkuliert haben. Und dass viele Parteifreunde sauer sind über die Debatte zur Unzeit? Nun, das hat er mindestens hingenommen. Noch schlechter steht es um den Wert des Fischer-Ratschlages selbst – die strategische Vorbereitung seiner Partei auf Ampelkoalitionen, ob nun mit der SPD oder der Union. Nichts anderes also als: Wir Grüne können mit jedem außer mit Oskar Lafontaine. Dieses vermeintliche Vordenken bleibt ziemlich nahe an einer Binsenweisheit, solange Fischer nicht auch folgende Fragen beantwortet: Wieso haben die Grünen bisher nicht mal in einem Bundesland eine Koalition mit der CDU bilden können? Warum ist der koalitionsbereite Teil der Linkspartei nicht für eine linke Mehrheit im Bundestag zu gewinnen? Und wieso will ausgerechnet Fischer, seit jeher Gegner eines Bündnisses mit Union und FDP, den Weg dafür ebnen? Es mag an den Grünen selbst liegen. Fischer sollte sich mal fragen, warum er als langjähriger heimlicher Vorsitzender nie zu Stande gebracht hat, was er jetzt einfordert. m.m.

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