Fleischskandal : Zu billig, um gut zu sein

Verbraucher haben ein Recht darauf, dass in ihrem Essen das drin ist, was draufsteht. Bisher ist das bei Fertiggerichten nicht der Fall. Woher das Fleisch stammt, das dort verarbeitet wurde, muss die Industrie nicht angeben. Es ist höchste Zeit, das zu ändern.

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Foto: dpa

Das Pferd ist ein besonderes Tier. Kleine Mädchen träumen vom Urlaub auf dem Ponyhof. Viele Erwachsene leben diesen Traum weiter. Sie leisten sich den Luxus eines eigenen Pferdes oder reiten auf Miettieren durch die Gegend – eins mit sich, dem Pferd und der Natur. Wie Hund und Katze ist das Pferd des Menschen Freund. Einen Freund will man nicht essen.

Dabei könnte man es tun. Denn nach dem Lebensmittelrecht ist das Pferd ein ganz normales Nutztier, nicht anders als Rind oder Schwein. Es darf geschlachtet werden, und es darf gegessen werden.

Letzteres haben viele Menschen in den vergangenen Tagen getan – allerdings, ohne es zu wissen. Denn in mancher Tiefkühl-Lasagne oder Rinder-Tortelloni, die sie im Supermarkt gekauft haben, steckte nicht nur Rind, sondern auch noch mehr oder weniger viel Pferd.

Zu dem Ekel und dem Ärger über den Etikettenschwindel kommt jetzt die Angst hinzu. Seitdem man in britischem Pferdefleisch ein für Menschen gefährliches Schmerzmittel gefunden hat, geht auch in Deutschland die Sorge um, dass die Pferde-Pasta nicht nur ein Appetitverderber, sondern auch ein Krankmacher sein könnte.

Noch gibt es dafür keine Beweise aus den Laboren. Doch ausgeschlossen ist das nicht. Denn noch immer weiß niemand, welche Pferde in Rumänien geschlachtet worden sind, bevor sie über Frankreich und Luxemburg ihren Weg als billiges Tiefkühl-Hack nach Deutschland gefunden haben. So billig war die Ware, dass der Verdacht naheliegt, dass diese Tiere nicht gesund groß geworden sind, sondern mit Medikamenten behandelt wurden, alt oder krank gewesen waren. Oder das Fleisch verdorben war. Das nachzuweisen, ist fast unmöglich. Einmal tiefgekühlt, lässt sich im Labor Gammelfleisch nicht mehr feststellen.

Nun will die EU-Kommission mit verstärkten Kontrollen gegensteuern. Das ist gut und richtig. Verbraucher haben ein Recht darauf, dass in ihrem Essen das drin ist, was draufsteht, aber auch nur das. Bisher ist das bei Fertiggerichten nicht der Fall. Woher das Fleisch stammt, das dort verarbeitet wurde, muss die Industrie nicht angeben. Es ist höchste Zeit, das zu ändern.

Dennoch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass mehr Kontrollen und mehr Transparenz auf den Verpackungen das Ende aller Lebensmittelskandale wären. Denn der Pferdefleisch-Skandal ist nicht der erste. Gammelfleisch, Dioxin in Eiern, Antibiotika in Masthähnchen, krank machende Erdbeeren im Schulessen – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Nach jeder Krise dasselbe Spiel: Neue, bessere Kontrollen werden angekündigt, einiges wird tatsächlich auf den Weg gebracht, aber dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Lebensmittelskandal den Menschen den Appetit verdirbt.

Denn solange es extrem billig ist, Fleisch quer durch Europa zu schicken, solange zwielichtige Geschäftemacher trotz der niedrigen Preise noch immer gut kassieren, so lange wird es Skandale geben. Schuld daran haben nicht nur die Aufsichtsbehörden, die den Skandalen hinterherlaufen wie der Hase dem Igel, Schuld daran hat auch der Handel, der mit Billigpreisen lockt. Schuld haben aber auch wir Verbraucher. Das billige Essen wird mit dem lebenslangen Leid all der Rinder, Schweine oder Hühner erkauft, die in Mastanlagen vegetieren, bis sie im Schlachthof enden. Oder eben der Pferde, auf deren Rücken manchmal nicht alles Glück der Erde zu finden ist.

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