Meinung : Fliegen und fliegen lassen

Es wäre falsch, den Flughafen Tempelhof bereits im Herbst 2008 zu schließen

Gerd Nowakowski

Die schlechte Nachricht zuerst: Wenn der neue Großflughafen Berlin- Brandenburg International in Schönefeld 2011 in Betrieb geht, gibt es für die Fluggäste aus Berlin auf der Schiene keine Schnellverbindung dorthin. Die soll nämlich erst 2015 fertiggestellt sein, heißt es nun bei der Bahn AG. Die gute Nachricht in der Schlechten: Dass der Großflughafen zum geplanten Termin wirklich fertig ist, bezweifeln Fachleute angesichts des bisherigen Planungstempos durchaus.

Sarkasmus macht die Sache nicht besser. Immer deutlicher wird jedenfalls, dass sich die Politik in Berlin und Brandenburg heillos verflogen hat. Trotz der Grundsatzentscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, die im Herbst 2006 den Weg für den neuen Flughafen frei machte, ist die juristische Schlacht noch längst nicht zuende, warten noch Hunderte von Klagen. Irritieren muss auch, dass die beiden beteiligten Länder sich vertraglich auf einen Single-Airport in der Region festgelegt haben, in Brandenburg aber trotzdem unverdrossen an Plänen gebastelt wird, den Flugplatz Finow für Maschinen bis 85 Tonnen Fluggewicht auszubauen – zufällig genau jenes Fluggerät, das in Schönefeld das Hauptgeschäft ausmachen soll. Und ohne Nachtflugverbot wie bei BBI.

Es wird wohl nur jemand verstehen, der einige Loopings zu viel geflogen ist, wenn andererseits der Flughafen Tempelhof genau deswegen dichtgemacht werden soll, damit es keine Konkurrenz zu Schönefeld gibt. Womit wir beim nächsten Luftloch der Berliner Flughafenpolitik angelangt wären: Warum trotz all dieser Unklarheiten der Traditionsflughafen Tempelhof schnellstmöglich dichtgemacht werden soll, versteht nur noch der Berliner Senat.

Angesichts der möglichen Bauverzögerungen in Schönefeld wäre es sinnvoll, den City-Airport zumindest bis zum Betriebsbeginn von BBI offen zu halten. Rechtlich wäre das kein Problem. Und angesichts der Erfolgsstory der Berliner Flughäfen angebracht. Wer weiß, ob ein Ausweichen nach Tempelhof nicht irgendwann nötig ist.Schließlich ist der Flughafen Tegel gerade noch um ein zusätzliches Terminal erweitert worden, um die rasante Zunahme der Fluggastzahlen zu bewältigen – auch wenn Tegel ebenfalls 2012 geschlossen werden soll. Und die vom Senat – durchaus zu Recht – angeführten Betriebsverluste von Tempelhof fielen in gleicher Höhe an, wenn der Flughafen geschlossen wird: für Instandhaltung und Sicherungssmaßnahmen für Gebäude und Gelände.

Sich auf die Schließung im Herbst 2008 zu versteifen und diese bereits jetzt planungsrechtlich festzuzurren, ist zudem angesichts fehlender Nachnutzungskonzepte unverständlich. Dabei hatte die Berliner Landesregierung genug Zeit, sich um solche Ideen zu kümmern. Beschlossen wurde die Schließung Tempelhofs bereits 1996 – unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, dessen CDU sich heute für die Weiternutzung ausspricht. Angesichts eines drohenden Volksbegehrens noch schnell Tatsachen schaffen zu wollen, ist zudem ein demokratisch fragwürdiges Manöver.

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