Floyd Landis : "Ich wollte mein Gewissen reinigen"

Epo, Testosteron, Wachstumshormon, Bluttransfusionen, Insulin – das ganze Programm: Über Jahre hatte Landis seine Unschuld beteuert, nun gibt der Radprofi offen zu, gedopt zu haben.

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Floyd Landis
Floyd LandisFoto: dpa

Ein Ritt wie aus dem Märchen. Auf seinem Rad flog Floyd Landis die Alpen hinauf, als seien ihm über Nacht neue Beine gewachsen. Am Tag zuvor war er zurückgefallen, aber diese 17. Etappe gewann der Amerikaner – und am Ende die Tour de France 2006. „Vielleicht war es das Bier am Abend vorher“, scherzte er über den Kräftezuwachs.

Wie so viele Geschichten aus dem Radsport war auch diese zu schön, um wahr zu sein. Landis wurde des Dopings überführt, zwei Jahre gesperrt, und der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur spottete: Landis habe so viel Testosteron im Körper gehabt, um über alle Jungfrauen im Umkreis von 100 Meilen herzufallen. Inzwischen sitzt der 34-Jährige wieder im Sattel, aber Aufsehen hat er jetzt mit einem Geständnis erregt. Er habe wirklich gedopt. Epo, Testosteron, Wachstumshormon, Bluttransfusionen, Insulin – das ganze Programm. 2002 habe er damit angefangen und jährlich 90 000 Dollar dafür ausgegeben.

Erstaunlich ist allein schon, dass er überhaupt Doping zugibt. Über Jahre hatte Landis seine Unschuld beteuert, mit einem Buch und zwei Millionen Dollar für Anwaltshonorare und Gerichtskosten. Er schien zeigen zu wollen, dass die Dopingbekämpfer nicht stark genug sind, erstmals einen Sieger der Tour de France zu bestrafen. Alle Mittel schienen ihm dabei recht zu sein. Sein Manager versuchte den früheren Tour-Sieger Greg LeMond mit verstellter Stimme einzuschüchtern, bevor der gegen ihn aussagen sollte. Außerdem wurde Landis verdächtigt, über einen Hacker Daten aus dem französischen Anti-Doping-Labor ausspioniert zu haben. Landis bestritt alles.

Doch seine Verteidigung kostete ihn sein Vermögen und seine Ehe, 2009 reichte seine Frau die Scheidung ein. Dass Landis, aufgewachsen in einer mennonitischen Familie, ein Getriebener war, nimmt ihm selbst sein Gegenspieler LeMond ab: „Er hat sich dem Druck mächtiger Leute im Radsport gebeugt, die Angst davor hatten, was alles rauskommt, wenn er auspackt.“ Jetzt gesteht Landis, innerhalb der Verjährungsfrist von acht Jahren, „sonst wäre es sinnlos gewesen“, sagt er.

Er habe gedopt, weil Radsportler eben dopen. „Ich fühle mich nicht schuldig. Es war die Entscheidung, die ich nach zehn oder zwölf Jahren harter Arbeit zu treffen hatte.“ Er habe emotional unter dem Betrug gelitten. „Ich wollte mein Gewissen reinigen, ich möchte nicht mehr Teil des Problems sein.“

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