Meinung : Flugaffäre: Maßlos im Amt

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Scharpings Flugaffäre
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Soll Rudolf Scharping zurücktreten?
Scharpings Foto- und Flugaffäre ist die merkwürdigste Episode dieser Legislaturperiode. Minister unter Druck, das kennt man - aber Scharping hat es als erster Minister geschafft, aus ästhetischen Gründen an den Rand des Rücktritts zu geraten. Beim Blättern in der "Bunten" entdeckte die politische und kommentierende Klasse den Selbstekel vor all den politischen Exibitionismen, an die man sich schon fast gewöhnt hatte. Scharping hat dabei zwei schwere Fehler gemacht: 1. Er hat es mit seiner kindisch-verspielten Nacktheit zu weit getrieben. 2. Private Einblicke kann nur der in politisches Kapital verwandeln, dessen Privatheit nicht echt ist, aber echt wirkt. Bei Scharping ist es umgekehrt. Nun möchte ihn niemand mehr sehen, weder im Pool noch auf dem Ministersessel. Auch die SPD schweigt ihn kalt an. Nur kann ein Minister nach bisherigen Maßstäben nicht wegen ästhetischer Vergehen zurücktreten. Darum sucht man seit zwei Wochen nach konventionellen Gründen, um dem ästhetischen Rücktrittsbedürfnis einen Rücktritt folgen zu lassen. Mittlerweile ist man bei seinen Frankfurt-Flügen angekommen. Und ganz Berlin, außer Scharping, hofft, es möge sich da etwas Illegales finden. Doch wenn, dann wird das nur der Auslöser sein, der Grund bleiben die Fotos. Scharping ist für seine Einsamkeit nicht zu bedauern. Wer auf Show setzt, muss Show können.

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