Flughafen BBI : Kein guter Zug

Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld droht zu einer besonders blamablen Investition (bbI) zu werden. Jetzt zu sparen, bis es quietscht, kann ganz schnell teuer werden.

Klaus Kurpjuweit

Wenn nicht noch ein mittleres planungsrechtliches Wunder passiert, hat der neue Flughafen zur vorgesehenen Eröffnung im November 2011 zwar einen gigantischen unterirdischen Bahnhof, in den sich dann aber nur alle zehn Minuten eine S-Bahn und jede halbe Stunde eine Regionalbahn verirren werden – für mehr Züge fehlen noch die Zubringerstrecken. Und ob in der über 400 Meter langen Station mit drei Bahnsteigen und sechs Gleisen, die mindestens 636 Millionen Euro kosten wird, jemals auch ein Fernzug halten wird, ist eher unwahrscheinlich. Ein Konzept dafür gibt es derzeit bei der Bahn nicht.

Besonders blamabel wäre es auch, wenn der neue Flughafen gleich nach der Eröffnung wieder zur Großbaustelle werden würde, wie die Lufthansa befürchtet. Niemand scheint eingreifen zu wollen, weil eine Korrektur Geld kosten würde; der Flughafen will aber sparen, damit der vorgegebene Kostenrahmen eingehalten werden kann, und deshalb auf einen zunächst vorgesehenen Tunnel zwischen dem Hauptterminal und dem ersten geplanten Erweiterungsbau rund 300 Meter entfernt verzichten und die Verbindung für die Passagiere und deren Gepäck später unter laufendem Betrieb bauen. Dies würde den Verkehr auf dem Rollfeld aber erheblich einschränken.

Zur suboptimalen Planung passt, dass der Tunnel nach Angaben des Flughafens 80 Millionen Euro kosten würde, nach Berechnungen der Lufthansa der Rohbau aber bereits für acht bis zwölf Millionen Euro zu haben wäre. Eine Summe, die auch andere Experten für realistisch halten. Bei einem Projekt, das insgesamt sicher sowieso mehr als die veranschlagten 2,2 Milliarden Euro kosten wird, sollten diese Millionen von Anfang an drin sein, um nach der Eröffnung einen reibungslosen Flugverkehr garantieren zu können. Und wenn der Flughafen weiter sparen will, sollten sich endlich seine Eigentümer – Berlin, Brandenburg und der Bund – einmischen und das erforderliche Geld aufbringen. Jetzt zu sparen, bis es quietscht, kann ganz schnell ganz teuer werden. Und ganz besonders blamabel.

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