Flughafen BER : Wowereit als Strippenzieher

Der Regierende Bürgermeister setzt sich im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft durch. Die Position des Bundes im Kreis der drei Gesellschafter ist auf Dauer eine andere geworden.

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Klaus Wowereit als Strippenzieher
Klaus Wowereit als StrippenzieherFoto: dpa

Nein, ein direkter Rauswurf war die Variante nicht, mit der der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft die heillos zerstrittenen Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und Horst Amann am späten Mittwochabend voneinander trennte. Dem Vorsitzenden der Geschäftsführung freie Hand zu geben, indem man Horst Amann, der Nummer zwei, einen neuen Job zuwies, war eine durchaus elegante Lösung des Konfliktes, mit der hohe fünfstellige Abstandszahlungen vermieden werden konnten.

Die „Flughafen Energie und Wasser GmbH“, eine hundertprozentige Tochter der Flughafengesellschaft, wird für Amann sicher nicht die Endstation seines Berufslebens sein. Aber als deren Geschäftsführer kann er sein zweifellos vorhandenes Organisationstalent beweisen.

Wenn man die Arbeitsweisen von Mehdorn und Amann miteinander vergleicht, wird deutlich, warum sie nie harmonieren konnten, einmal ganz davon abgesehen, dass beide den Begriff Unterordnung allenfalls buchstabieren, niemals aber auf sich beziehen könnten. Amann ist der Mann der Bestandsaufnahme, der erst handelt, wenn er genau weiß, was ist. Mehdorn interessiert nicht so sehr, was war, sondern vor allem, was sein soll. Deshalb hinterlässt er in seinen Jobs manchmal Trümmer, auf denen aber seine Erfolge gründen, während Amann an der schieren Zahl der Trümmer erst verzweifelt und dann resigniert. Mit Mehdorn kann man einen Flughafen bauen, mit Amann kann man ihn besser auf Betriebstemperatur halten. Sein Pech, dass das in Schönefeld noch ein paar Jahre dauern wird.

Sachlichkeit an der Tagesordnung

Dass Klaus Wowereit die Entscheidung durchsetzen konnte, ist auch ein Indiz dafür, dass die Position des Bundes im Kreis der drei Gesellschafter auf Dauer eine andere geworden ist. Horst Amann war auf dem Unionsticket nach Berlin gekommen. Er hatte das Ohr des christsozialen Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer, der mit Lust gegen die beiden rot- geführten Landesregierungen von Berlin und Brandenburg stänkerte. Über ihn und seinen Staatssekretär Rainer Bomba zu Horst Amann lief jene Schiene, auf der vermutlich immer wieder Indiskretionen und Sticheleien an die Öffentlichkeit gelangten. Diese Schiene endet jetzt an einem Prellbock.

Denn wenn im Bund eine große Koalition regiert, wird Juniorpartner SPD Sorge tragen, dass das Thema BER in der Bundesregierung mit mehr Sachlichkeit als bislang behandelt wird. Vielleicht setzt sich die Erkenntnis durch, dass in Schönefeld zwar Management und Aufsichtsorgane überfordert waren, dass damit aber weniger der Ruf der Bundesländer Berlin und Brandenburg, als der der Bundesrepublik Deutschland beschädigt worden ist. Was innerhalb des Landes Anlass für eher gehässige Frotzeleien der selbstbewussten „Südländer“ gegen die schlecht renommierte Hauptstadt war, wurde global als Versagen der Industrienation und Scheitern der viel gerühmten deutschen Perfektionisten wahrgenommen. Ruhe im Aufsichtsrat ist also, so betrachtet, eine sehr gute Nachricht.

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