Flughafen Berlin-Brandenburg : Verkalkuliert

Der Terminal für den BBI soll neu ausgeschrieben werden. Das freut viele Bauunternehmer aus der Region. Doch ob die Sache wirklich billiger wird, ist fraglich, obendrein könnte sich der Terminplan verschieben und so andere Projekte gefährden.

Ein Kommentar von Ursula Weidenfeld

Es ist eine späte Genugtuung für die kleinen und mittleren Bauunternehmen der Region Berlin- Brandenburg, dass mit dem Terminal einer der ganz dicken Brocken für den Flughafenneubau in Schönefeld (BBI) neu ausgeschrieben werden soll. Doch frei heraus jubeln mag bei aller Freude über die Entscheidung, das Terminal in kleineren Einheiten zu bauen, niemand. Zu Recht. Denn jetzt drohen Verzögerungen, weitere Projekte rund um den Flughafen wären ebenfalls betroffen, wenn es beim Terminal hakt. Und ob die Sache durch die Neuausschreibung wirklich billiger wird, steht dahin.
      
Tatsache ist, dass sich mittlerweile fast alle Betriebe damit arrangiert haben, dass der Flughafen von Generalunternehmern gebaut werden soll. Viele kleine und mittlere Bauunternehmen der Region profitieren vom allgemeinen Konjunkturaufschwung ebenso wie von der Belebung rund um das Flughafenprojekt stärker als erwartet – so dass sie auch damit leben können, beim Flughafenbau selbst nur als Subunternehmer gefragt zu sein. Wenn sich das nun ändert, ist das zwar eine gute Nachricht für den künftigen Umgang mit den kleinen und mittleren Unternehmen. Der Bau selbst jedoch – und die Investitionen rund um den Flughafen – werden sich möglicherweise verzögern.

Die wirkliche Blamage liegt woanders. Da stellen sich Spitzenpolitiker aus Berlin und Brandenburg sowie Vorstand und Aufsichtsrat der Flughafen-Gesellschaft jahrelang hin und erklären, warum es das Beste, Schnellste und Effizienteste ist, wenn Großaufträge ausgelobt werden. Sie begründen wortreich, wie kleine Firmen trotzdem ins Geschäft kommen und wie alles zusammen nahezu zwangsläufig zur tatsächlich preisgünstigsten und effizientesten Ausführung des Neubaus führen muss.

Und dann ist die erste große Nachricht nach dem Spatenstich, dass es schon mit der Ausschreibung bei den ersten Losen zu einem Kostenschub kommt. Das ist blamabel – und es legt ein paar nicht gerade schmeichelhafte Vermutungen nahe. Wenn die wenigen Anbieter für das Projekt schon dramatisch über dem kalkulierten Preis anbieten, kann es natürlich sein, dass sie zu teuer anbieten, weil sie glauben, es sich leisten zu können. Aber kann es nicht auch sein, dass die Ansätze nicht stimmten, dass nur ein politischer Preis eingestellt wurde, um die Zustimmung zum staatlich finanzierten Neubau des Flughafens leichter zu machen? Dann wird auch die Neuausschreibung das Dilemma nicht beheben. Dann werden auch die Unternehmen und Arbeitsgemeinschaften, die sich an der zweiten Ausschreibung beteiligen, zu teuer sein. Vernünftiger wäre es vielleicht, die Ausschreibung insgesamt abzuspecken.

Illusionen sollte sich für die nächste Ausschreibung indes niemand machen: Die Zeit, in der in Berlin und Brandenburg auf dem Bau die Löhne miserabel und die Preise extrem niedrig waren, ist vorbei. Den meisten Bauunternehmen geht es nach der Krise der vergangenen zehn Jahre heute wieder gut – auch ohne den Flughafen.  

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