Flugzeug-Absturz in der Ukraine : Putin muss das entwürdigende Treiben sofort beenden

Den Truppen, die am Absturzort des malaysischen Flugzeugs ihr Unwesen treiben, muss Einhalt geboten werden, meint unser Autor. Sofort und mit aller Härte - denn wer nicht entschieden für Werte eintritt, entwertet sie.

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Bewaffnete Separatisten bewachen Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs.
Bewaffnete Separatisten bewachen Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs.Foto: dpa

Die ganze Welt ist aufgebracht, sagt Frankreichs Staatspräsident François Hollande, aufgebracht angesichts dessen, was in der Ost-Ukraine geschieht. Die ganze Welt? Das wäre gut, das wäre angebracht. Aber nicht zuletzt die westliche Welt zögert, die doch für sich in Anspruch nimmt, die mit der größten Zivilität zu sein, mit den stärksten Zivilgesellschaften und mit den einhergehenden bürgerlichen Werten. Wer aber darauf stolz ist, wer das Erreichte, über Jahrzehnte inmitten Europas mühevoll errungen, verteidigen will – der darf nicht zögern, seine Position unmissverständlich klar zu machen. Sonst macht er sich unglaubwürdig und wird auch das verlieren, was er bewahren will.

Auf die Ukraine bezogen heißt das: Das unerträgliche Treiben nach dem entsetzlichen Abschuss der Passagiermaschine mit Hunderten unschuldiger Opfer muss sofort ein Ende haben. Und was sofort bedeutet, ist nicht verhandelbar. Wladimir Putin, der zuvörderst, und Petro Poroschenko müssen alles in ihrer Macht stehende tun, um den in der Krisenregion ihr Unwesen treibenden Truppen und Gruppen Einhalt zu gebieten. Marodeure werden nicht geduldet, heißt das.

Sanktionen, die spürbar sein müssen

Wer jetzt noch beim Plündern erwischt wird; wer jetzt noch mit Zigaretten im Maul Teddybären Trophäen gleich in Kameras hält; wer jetzt noch die Aufklärung erschwert; wer jetzt noch verhindert, dass Angehörige ihre Lieben finden, damit sie angemessen um sie trauern können – der muss festgenommen, ersatzweise festgesetzt werden. Verbrechen gegen die Menschlichkeit festzuhalten, ist nicht nur Paragrafenreiterei. Und wer nicht hilft, wer nicht auf der richtigen Seite steht, auf der Seite der Opfer, wer verzögert oder Verzögerungen zulässt – der muss mit Sanktionen bestraft werden, wirtschaftlichen, politischen. Die müssen spürbar sein, nicht katzenpfötig, sondern mit der Pranke.

Nicht entschieden für Werte einzutreten, entwertet sie. Dann darf sich niemand wundern, dass diejenigen, die sie ohnehin für übertrieben halten, sie auch nicht ernst nehmen. Zivilgesellschaft ist keine Schönwetterveranstaltung oder eine der Gelegenheit. Vielmehr ist jetzt die Gelegenheit: Wer sie ernst nimmt, muss ernst machen.

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