Meinung : Flurschaden in New York

Warum Deutschland nicht den Irak-Ausschuss leiten soll

Robert von Rimscha

Die UN-Flure sind endlos. Viele Kilometer Gang stehen in New York bereit, um zu kungeln, zu feilschen, sich zu verschwören, zu streiten oder zu versöhnen. Zwei, die sich seit August nicht mehr sonderlich gut vertragen, sind die Herren Schröder und Bush. Das ist nun schon so sattsam bekannt, dass niemand mehr daran erinnert werden möchte, am wenigsten die beiden selbst. Deshalb lächeln sie sich auch an und schütteln sich die Hände, wie neulich in Prag.

Doch die wahre Politik spielt eben auf den Gängen, nicht auf den Tribünen von Prag. Formal hat es nie eine Festlegung gegeben, dass Deutschland im neuen Jahr den Vorsitz jenes Ausschusses übernimmt, der die Sanktionen gegen den Irak überwacht. Formal wird darüber erst gesprochen, wenn der Sicherheitsrat mit seinen fünf neuen Mitgliedern im Januar zusammentritt. Formal hat Berlin damit beste Karten, die jüngste amerikanische Schienbeintreterei klein zu reden.

Denn Deutschland ist heftig ans Schienbein getreten worden. Seit Monaten war es Konsens in New York, dass Berlin den Job bekommt. Über Nacht ist alles anders. Amerika hat ein paar Flurgespräche geführt, ein paar Abmachungen getroffen und ein paar Kompensationsgeschäfte eingefädelt, und nun kriegt Deutschland den Vorsitz aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Wie bei den UN Politik gemacht wird, musste die US-Regierung selbst im Jahre 2001 bitterlich lernen. Da waren es die Amerikaner, die gleich mehrfach aus wichtigen Untergremien flogen. So wehrte sich die Welt damals gegen die noch junge Bush-Regierung, deren Umwelt- und Drogenpolitik den anderen nicht passte. Nun betreibt also Washington eben jenes Spiel, dessen Opfer man damals wurde. In New York kann man immer auf ausreichend Profilneurosen, Eitelkeiten und Rivalitäten bauen, dass dem geschickten Flur-Politiker das Schmieden einer Allianz glückt.

All das ist ein Indiz für einen schleichenden Marginalisierungsprozess. Schröder hat Deutschland weit weggerückt von Bushs Weltpolitik. Dafür hat er viel klammheimlichen Applaus bekommen, in Europa und darüber hinaus. Denn es gibt viele, gerade auch in Asien und Afrika, die sich wünschen, dass Europa die Extremmacht USA ausbalanciere. Amerika selbst sieht das freilich anders. Wie du mir, so ich dir, ist die Devise. Dies wird also nicht die letzte kleine Quälerei sein, die Washington ersinnt.

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