Meinung : Folge den Raketen

Von Moritz Schuller

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Vor zwei Jahren ist Israel einen anderen Weg gegangen: Unter deutscher Vermittlung wurde mit dem Führer der Hisbollah ein Austausch von Gefangenen ausgehandelt. Die Lage heute, die starke Position der Terrororganisation im Süden des Libanon, ist in gewisser Weise auch die furchtbare Frucht jenes Handels, der die Terroristen legitimierte und politisch stärkte.

Vor über 20 Jahren ist Israel schon einmal den heutigen Weg gegangen. 1982, nachdem die PLO aus Stellungen im Süden des Libanon Nordisrael beschossen hatte, marschierte die israelische Armee ein. Die Besatzung, in die sich Israel hineinziehen ließ, war politisch und militärisch ein Misserfolg.

Das Dilemma der israelischen Regierung besteht darin, dass sie einen militärischen Sieg – die Zerstörung der Hisbollah – nicht erreichen kann, ohne die Verhältnismäßigkeit der Gewalt vollständig zu verletzen; und dass jede nichtmilitärische Lösung den Einfluss der Hisbollah in der Region weiter stärken würde. Die Mischung aus Waffenstillstandsangebot an die libanesische Regierung und gleichzeitig fortgesetzten Angriffen ist das sichtbare Ergebnis des Dilemmas.

Daran zeigt sich auch, dass die Möglichkeiten Israels, die wahre Ursache dieses Konflikts aus eigener Kraft aus der Welt zu schaffen, beschränkt sind: ohne den Iran gäbe es die radikale Hisbollah und Hamas nicht und solange diese iranische Regierung sich am Terror beteiligt, wird Israel allein ein Ende der Bedrohung weder am Verhandlungstisch noch auf dem Schlachtfeld erreichen können. Was jetzt passiert, ist kaum mehr als Eindämmung.

So wichtig es ist, dass dieser Konflikt ein so genannter Stellvertreterkrieg bleibt, dass Syrien und Iran sich nicht direkt militärisch beteiligen, so naiv wäre es, sie als derzeit Unbeteiligte zu betrachten. Sie sind längst mehr. Man muss dafür nur den Weg der Raketen zurückverfolgen, die in Haifa gelandet sind und acht Menschen getötet haben: abgefeuert aus dem Süden des Libanon, vermutlich durch Syrien transportiert, hergestellt im Iran. In Wahrheit ist dieser Konflikt also längst eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Iran. Und allein wird Israel das Problem, das Iran heißt, sicher nicht lösen können.

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