Forschung : Auf die Kuh gekommen

Wissenschaftler klonen menschliche Embryonen - mit Hilfe von Kuh-Eizellen. Auf den ersten Blick mag das verwerflich erscheinen. Ist es aber nicht: Im Gegenteil, es ist zum Wohle aller. Ein Kommentar.

Bas Kast

Britische Forscher haben mit Hilfe von Kuh-Eizellen menschliche Embryonen geklont. Ein Embryo ist kein Mensch. In diesem Fall bestanden die Embryonen aus einigen wenigen Zellen – dann wurde das Experiment abgebrochen. Die Eizellen kamen von Kühen, die ohnehin für den Verzehr geschlachtet wurden.

In Deutschland wäre ein solches Experiment verboten – und das ist auch gut so, meinen viele, darunter vor allem Politiker und Kirchenvertreter. Haben sie recht?

Nein.

Auf den ersten Blick mag uns ein solches Experiment als moralisch verwerflich, ja pervers erscheinen. Aber es geht darum, die Geheimnisse des Lebens, der Alterung von Zellen zu verstehen. Nicht nur das, diese Forschung wird zu neuen medizinischen Ansätzen führen, etwa in der Behandlung von Parkinson. Zu einer Medizin, die, seien wir ehrlich, auch wir, wenn sie da ist, dankbar annehmen werden.

Das heißt nicht, dass überhaupt kein ethisches Dilemma vorliegen würde. Das ist sehr wohl der Fall. Man könnte diese Forschung auch mit Hilfe menschlicher Eizellen machen. Dafür muss sich eine Frau einer unangenehmen Hormonbehandlung und Eizellenentnahme unterziehen. Offiziell soll dies natürlich freiwillig geschehen, aber klar ist, dass hier für arme Frauen eine Chance besteht, ein bisschen Geld zu verdienen. Dies kann man durchaus als eine Form von Prostitution für die Wissenschaft betrachten – und die ist moralisch verwerflich.

Wenn man also diesen Weg – zu Recht! – ablehnt, welche Optionen bleiben dann noch übrig? Erstens, man könnte die Forschung verbieten, wie wir es in Deutschland tun, und hoffen, dass wir ähnliche medizinische Ansätze auf anderem Wege finden. Das ist eher naiv, denn je mehr Wege wir verfolgen, desto besser wird die Medizin von Morgen sein. Der Preis für eine völlige Ablehnung ist hoch.

Ja, er ist zu hoch, wenn man die andere Seite der Medaille berücksichtigt: den Schaden, den man mit dem Experiment zufügt. Der nämlich hält sich in Grenzen, da bei diesem Experiment kein Mensch zu Schaden kam. Es wurden nur von einigen geschlachteten Kühen Eizellen entnommen.

Man mag diese Argumentation als „kalt“ und „rationalistisch“ abtun, aber das liegt nur daran, dass wir uns daran gewöhnt haben, uns moralisch zu empören, sobald das Wort Embryo fällt. Nach allem, was wir wissen, ist ein Embryo, der aus einigen wenigen Zellen besteht, nicht leidensfähig. Das Leid dieser Welt wird durch einen solchen Versuch nicht vermehrt, sondern ganz im Gegenteil: durch die Entwicklung neuer Medizin geradezu verringert. Insofern könnte man das Experiment selbst als moralisch betrachten.

Auch das klingt erst mal befremdlich, was daran liegt, dass wir in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit haben. Wir meinen, auf der einen Seite gibt es die Ethiker, sie sind moralisch und lehnen viele Experimente ab. Auf der anderen Seite gibt es die Wissenschaftler, sie sind kalt, rücksichtslos und unmoralisch. Manchmal ist es genau umgekehrt.

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