Fouad Twal, Patriarch : "Die Mauer erzeugt Groll und Hass"

Seine Vorfahren lebten als Beduinen in der jordanischen Wüste. Die Gastfreundschaft habe er sich bewahrt sagt Fouad Twal. Ein Porträt des Patriarchen von Jerusalem.

Martin Gehlen

Lange war er auf Wanderschaft, wie seine Großeltern, bevor er endgültig sesshaft wurde. Seit vier Jahren lebt und arbeitet Fouad Twal nun in Jerusalem. Seine Vorfahren lebten noch als Beduinen in der jordanischen Wüste. Was sich seine Familie aus dieser Zeit bewahrt habe, sei die Gastfreundschaft: „Unser Haus war immer voll, bis in die Nacht hinein.“ Als lateinischer Patriarch ist er der offizielle kirchliche Gastgeber von Papst Benedikt XVI., der heute in Jerusalem unter anderem den Felsendom und die Klagemauer besuchen wird.

Fouad Twal wurde am 23. Oktober 1940 in Madaba in Jordanien geboren und studierte Theologie im Seminar von Beit Jala nahe Bethlehem. Ab 1972 besuchte er die Päpstliche Lateranuniversität in Rom. 18 Jahre lang war Twal dann im diplomatischen Dienst des Vatikans. 1988 wechselte er für zwei Jahre nach Deutschland. 1992 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Bischof von Tunis. Benedikt XVI. machte ihn 2005 zum Koadjutor mit dem Recht auf Nachfolge des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah. Im vergangenen Jahr trat er dessen Nachfolge an.

Der neue Oberhirte, zu dessen Aufgabengebiet neben Israel und Palästina auch Jordanien und Zypern gehören, gilt als diplomatischer im Umgang mit Israel als sein Vorgänger. Doch bereits in seiner ersten Weihnachtsbotschaft schlug der 68-Jährige überraschend deutliche Töne an. Die Mauer, die Israel errichtet hat, trage bei „zur Entstehung von Gewalt und erzeuge Groll und Hass“, schrieb er. Jerusalem werde durch den Bau jüdischer Siedlungen stranguliert, was immer mehr Christen ins Exil treibe.

Die Menschen seien „müde von den Demütigungen, von der Gefangenschaft in den eigenen Städten und Dörfern, ohne die Möglichkeit hinauszukommen, um draußen zu arbeiten, Verwandte zu besuchen oder in den heiligen Stätten zu beten“, erklärte er vor einigen Monaten auf einem internationalen Kongress. Viele palästinensische Christen hätten zum Beispiel seit Jahren die Grabeskirche in Jerusalem nicht mehr besuchen dürfen. Von der Papstvisite erwartet sich Twal Unterstützung und Rückendeckung der Weltkirche für seine entnervten Gläubigen. Der Papst wolle „Wissen aus erster Hand bekommen über die harten Lebensbedingungen in unserer Region“, schrieb er. Er hoffe, der Besuch Benedikts werde helfen, Barrieren zu beseitigen und die Verzweiflung zu lindern.Martin Gehlen

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