Frank Mastiaux: : „Ich werde die Nulllinie sauber ziehen“

02.10.2012 00:00 UhrVon Martin W. Buchenau
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Noch besitzt er Vorschusslorbeeren. Doch Frank Mastiaux hat den undankbarsten Job in der Energiewelt, den man sich vorstellen kann. Ein Porträt.

Die Dokumentenmappe aus rotem Karton trägt die Aufschrift „F. Ma“. Die Initialen stehen für Frank Mastiaux. Gestern begann in der Karlsruher Zentrale sein erster Tag als Vorstandschef der EnBW. Der ehemalige Eon-Manager soll beim drittgrößten deutschen Energiekonzern die Energiewende schaffen. Seinem kernkraftfreundlichen Vorgänger Hans-Peter Villis hatte dies vor allem die grün-rote Landesregierung nicht zugetraut. Seit sie sich mit dem konservativen Zweckverband der oberschwäbischen Elektrizitätswerke die Macht teilt, gilt der Job bei EnBW als undankbarste Aufgabe der deutschen Energiewirtschaft. „Die Eigentümerstruktur ist eine tolle Voraussetzung für ein langfristiges Geschäftsmodell“, sagt dagegen Mastiaux.

Noch besitzt er Vorschusslorbeeren, da ihn die beiden ungleichen Eigentümer einstimmig ausgewählt haben. Noch enthielt die rote Mappe nur seine Antrittsrede vor Medienvertretern und noch war sie weitgehend mit Floskeln gefüllt. Die Energiewelt werde sich wandeln. Es gelte für die EnBW Chancen zu nutzen. Er werde das Unternehmen konsequent auf den Kunden ausrichten. Aha.

Aber spätestens in 100 Tagen wird die rote Mappe brisantere Papiere enthalten. Die übliche Schonfrist für Vorstandschefs hat Mastiaux mit Terminen vollgepackt. Möglichst schnell will sich der Mann von außen eine Sicht von innen erarbeiten. Und abseits des Redetextes lässt der 48-Jährige durchblicken, dass er sich alle Geschäfte und Beteiligungen im Detail anschauen werde. „Ich werde die Nulllinie sehr sauber ziehen“, betont Mastiaux. Das gilt vor allem für das Sparprogramm mit Kostensenkungen von 750 Millionen Euro. Die Beteiligungsverkäufe könnten auch höher ausfallen. Bei der bisher angepeilten Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro müsse es nicht bleiben. „Das kann durchaus diesen Wert überschreiten“, sagte Mastiaux. Aber ein Sanierungsfall sei die EnBW nicht.

Bei den ersten beiden Betriebsversammlungen machte der ruhige Manager mit den schmalen Lippen laut Arbeitnehmern keinen schlechten Eindruck. Er habe bei seinen Geprächspartnern „das eine oder andere Lächeln“ gesehen, sagt Mastiaux. Anders als Villis wird der passionierte Tennisspieler und Läufer mit der Familie auch ins Ländle ziehen. Dabei ließ er offen, ob er sich mit Frau und Kindern am Firmensitz in Karlsruhe niederlässt, oder eher in Stuttgart die Nähe zur Landesregierung sucht.Martin W. Buchenau

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