Meinung : Frank Steffel: Jugend schützt vor Torheit nicht

Lorenz Maroldt

Kann man einem Spitzenpolitiker heute vorwerfen, was er als Jugendlicher gesagt hat? Vorwerfen nicht, selbst dann nicht, wenn er Minderheiten beleidigt hat; Schüler reden viel, vor allem viel Unsinn. Aber fragen, das wird man wohl noch dürfen. Schon gar, wenn einer Regierender Bürgermeister werden will. Wie Frank Steffel.

Unter welchen Umständen jemand aufgewachsen ist, wie er sich benahm, wie er lernte, wie er sich entwickelte und zu seinen heutigen Überzeugungen gelangte - das ist schon interessant. Und wichtig zu wissen. Nicht, um ihn nachträglich zu verurteilen. Sondern um ein besseres Bild von dem zu gewinnen, der Verantwortung übernehmen will und dafür um Vertrauen bittet.

Als Steffels Kandidatur bekannt wurde, meldeten sich bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften alte Schulkameraden und Nachbarn. Auch beim Tagesspiegel. Sie erzählten Geschichten von einem, der zu deftigen, beleidigenden Worten neigte, zum Beispiel gegenüber Ausländern. Der junge Frank Steffel hatte deswegen Ärger in der Schule. In einem Interview fragten ihn Tagesspiegel-Redakteure danach. Steffel druckste herum, erinnerte sich zögernd - und ließ seine Äußerungen bei der Autorisierung des Wortlauts von seinem Pressesprecher streichen. Der Tagespiegel wurde sogar (vergeblich) darum gebeten, die Fragen aus dem Text zu nehmen. Übrig blieb ein Dementi. Und der Vorwurf einer Kampagne.

Jetzt greift das Magazin "Max" die alten Geschichten noch einmal auf. Und die Geschichte wiederholt sich: Erst antwortet Steffel, dann dementiert er, über seine Jugendzeit gesprochen zu haben. Genau das, nicht seine Vergangenheit, ist das Problem: Steffel reagiert unsouverän. Wer Regierender Bürgermeister werden will, der hätte sagen können: Ja, so war das. Damals. Heute beschämt es mich. Aber ich habe gelernt.

Der noch immer junge Steffel verhält sich wie jemand, der etwas zu verbergen hat. Deswegen ist er hier richtig schlecht beraten, trotz seiner vielen Berater. Das hätten sie ihm mal sagen sollen: Es zählt nicht nur, dass sein Name im Gespräch ist, sondern vor allem, was er zu sagen hat. Er ist doch kein Popstar. Er ist Politiker.

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