Frank Ulrich Montgomery : "Ich bin nicht der Verwalter des Mangels"

Frank Ulrich Montgomery wird wohl zum Nachfolger von Jörg-Dietrich Hoppe als Ärztepräsident gewählt werden. Mit seiner Lust an politischer Konfrontation hat er das Zeug zum Chefarzt der Republik.

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Bei der Ärztetagseröffnung saß er zwar schon in der ersten Reihe neben dem Gesundheitsminister, ans Podium allerdings durfte nur der noch amtierende Präsident. Nach zwölf Jahren übergibt Jörg-Dietrich Hoppe seinen Posten an einen Nachfolger, und aller Wahrscheinlichkeit nach heißt dieser Frank Ulrich Montgomery. Trotz vier weiterer Kandidaten gilt der Radiologe aus Hamburg als klarer Favorit.

Erstens ist Montgomery als Vizepräsident neben dem gesundheitlich angeschlagenen Hoppe bereits bestens ins Amt eingeführt. Zweitens weiß jeder, dass der 59-Jährige mit seiner rhetorischen Begabung und seiner Lust an politischer Konfrontation das Zeug zum Chefarzt der Republik hat. Und drittens hat er sich dafür lange in Bescheidenheit geübt. Um an die Spitze der Kammer zu gelangen, gab der Vollblutfunktionär seinen glanzvollen Job als Chef des Klinikärzteverbands Marburger Bund ab und verlegte sich für Jahre aufs Warten.

Es könnte sein, dass ihm das nun selbst die honorieren, die ihm bislang gerne Eitelkeit und Karrierismus unterstellten. Und nebenbei hat sich Montgomery so auch aus der Rolle des reinen Klinikarzt-Lobbyisten begeben, von dem sich niedergelassene Mediziner nicht vertreten fühlen könnten.

Allerdings kennt der Mann mit dem Einstecktüchlein auch die Unwägbarkeiten. 1999 trat Montgomery schon einmal gegen Hoppe an – und verlor. Als Chef der Hamburger Ärztekammer haben sie ihn mit kurzzeitigem Amtsentzug abgestraft, weil er aus Delegiertensicht zu eifrig die Werbetrommel für seinen Parteifreund Gerhard Schröder gerührt hat. Und bei der Wahl zu Hoppes Stellvertreter hat ihm ein Berliner überraschend stark Paroli geboten. Günther Jonitz, Ärztekammerchef der Hauptstadt, 52 Jahre jung, ist auch jetzt wieder im Ring. Der Chirurg und ebenfalls sehr erfahrene Funktionär gilt als Einziger, der dem Kronprinzen das Amt noch streitig machen könnte.

Inhaltlich würde das indes wenig ändern. Beide haben klargestellt, dass sie sich gesundheitspolitisch deutlich stärker einmischen wollen – obwohl sich Montgomery seines „ausgesprochen guten Arbeitsverhältnisses“ zum FDP-geführten Ministerium rühmt. Mit dem Oberarzt und passionierten Läufer werden die Gesundheitspolitiker, egal welcher Farbkonstellation, vor allem eines bekommen: mehr Zoff. Dass er nicht daran denke, „Staatsverwalter des Mangels“ zu werden, hat der Sohn eines britischen Offiziers schon klargestellt.

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