Frankreich : Bardot statt Sarkozy

Jedes Land hat seinen Sarrazin. Der Sarrazin aus Frankreich ist Brigitte Bardot - die heutige, nicht die Sehnsuchts-Bardot der sechziger Jahre.

von
Helmut Schümann
Helmut SchümannFoto: Kai-Uwe Heinrich

Es gibt jede Menge Sarrazins. Hierzulande zum Beispiel einen Seehofer, aber auch in anderen Ländern. Der holländische Sarrazin ist Geert Wilders, ein amerikanischer heißt Bill O’Reilly, ja wenn man sich die Mühe machte und das wollte, findet man in jedem Land einen oder mehrere Sarrazine. Weswegen der deutsche Sarrazin auch etwas Gutes hat: So sind wir mit ihm eingebunden in der globalisierten Welt und brauchen keinen Sonderweg zu gehen. Dann bräuchte man aber noch ein Land auf der Erde, möglichst unbewohnt, in das die vereinigten Sarrazine aller Länder immigrieren könnten. Und der Sarrazin aus Frankreich ist Brigitte Bardot. Also die heutige, nicht die Sehnsuchts-Bardot der sechziger Jahre. Die heutige redet manch dummes Zeug, Sachen von Überfremdung und Unterwanderung. Sie steht da in einer Linie mit dem obersten französischen Sarrazin, sozusagen dem Imam des französischen Sarrazinismus, Jean-Marie Le Pen. Daneben hat Brigitte Bardot aber auch noch eine sehr ehrenwerte Seite als Tierschützerin. Und als solche, hat sie gerade angekündigt, will sie Staatspräsidentin werden.

Ob sie Chancen hat gegen Nicolas Sarkozy? Immerhin ist nach Bardots Ebenbild Marianne geformt, Frankreichs Germania oder Frankreichs Münchner Kindl, also die Symbolfigur der Grande Nation.

Denkbar, dass Carla Bruni dann zickt, obwohl die Bardot inzwischen 76 Jahre alt ist und damit wahrscheinlich nicht mehr ins Beuteschema des Gatten zu zählen ist.

Sicher würde ihr eine Wahlrechtsänderung helfen. In Deutschland wird ja zum Beispiel die Herabsetzung des Wahlrechtsalters auf 16 Jahre diskutiert. Warum sollte Frankreich dann nicht auch das Wahlrecht für Katzen und Hunde einführen? Einen großen Unterschied in der Wahlfähigkeit macht das auch nicht. Was die möglicherweise von Gegnern dieser Reform angeführte mangelnde Intelligenz von Katzen und Hunden und anderen Tieren angeht, so weiß die Tierforschung vieles andere zu berichten. Und gerade wir in Deutschland sollten in diesem Punkt lieber schweigen. Haben wir doch im vergangenen Sommer fast eine gesamte Weltmeisterschaft auf die Urteilskraft einer Krake vertraut. Wollten wir also Brigitte Bardot anstelle Sarkozys sehen – es gibt ja eine Menge guter Gründe gegen ihn –, würden wir jetzt für das Wahlrecht für Katzen und Hunde plädieren. Wollen wir aber nicht. Lieber alle Sarrazins der Welt vereinen und emigrieren. Helmut Schümann

10 Kommentare

Neuester Kommentar