Frankreich : Schlagende Verbindung

Der Präsident und seine angebliche Braut: Um Nicolas Sarkozy und Carla Bruni ranken sich tonnenweise Gerüchte und Geschichten. Was an dieser Liaison fasziniert.

Malte Lehming

Wenn Mann und Frau sich lieben, können sie ihre gemeinsame Zeit in der Heimsauna, der Kellerkneipe oder beim Bowlen verbringen. Vielleicht haben sie sich schon in der Schule kennengelernt, wohnten in derselben Stadt, ihre Eltern waren ebenfalls befreundet. Gleich und gleich gesellt sich eben gern.

Die Vernunftehe, die sich auf übereinstimmende Interessen gründet, auf eine ähnliche soziale Lage und gemeinsame Werte, hat in Deutschland Konjunktur. Das jedenfalls sagen Partnerschaftsvermittlungsagenturen. Bestimmte Berufsgruppen wie Musiker, Lehrer und Ärzte tendieren auch zur Kollegenehe. Die Nähe des Alltags ist es, die sie verbindet. Wer liebt, will seine Ruhe.

Wer liebt, riskiert: Das ist das Gegenmodell. Es speist sich aus dem Protest gegen die Konvention. Gegen die Nähe, das Vorherbestimmte, das Passende. Diese Liebe lebt von Sehnsucht und Entbehrung, von der Attraktion des Gegensätzlichen, der Differenz. Romeo und Julia sind das Paradebeispiel. Die Umwelt ruft: Ihr passt nicht zusammen! Gerade das aber ist ein Teil des Verlangens. Wer etwas riskiert, kann scheitern, und wer scheitert, leidet. Doch das stört den Romantiker nicht. Ein rationalisierter Gefühlshaushalt ist seine Sache nicht.

Ob Nicolas Sarkozy und Carla Bruni wirklich geheiratet haben, steht noch nicht fest. Für das Faszinosum dieser Liaison ist es allerdings unerheblich. Der Präsident und das singende Topmodel, der Machtstar und der Bühnenstar: Vernünftig im eher deutschen Sinne ist diese Beziehung natürlich nicht. Das Ganze sei inszeniert, ein grandioses Schauspiel, unseriös, eines Staatsmannes unwürdig, heißt es daher. Aus solchen Kommentaren spricht auch Neid. Mit der Aura, die Sarkozy und Bruni umgibt, kann hier niemand konkurrieren. Das glamouröseste Prominentenpaar in Deutschland sind Anne Will und Miriam Meckel.

Meinen Sarkozy und Bruni es ernst? Keiner weiß es. Sie spielen mit den Fotografen, schwelgen in Luxor im Luxus, posieren und turteln. Das muss man nicht mögen. Aber was wäre die Alternative zu diesem offensiven Umgang mit den Medien? Heimlich geschossene Paparazzibilder? Diese beiden wissen, dass sie ein nur eingeschränktes Privatleben haben. Abschotten vor der Öffentlichkeit können sie sich nicht. Also versuchen sie, zumindest über die Regeln mit zu bestimmen.

„Manchmal bin ich monogam, aber ich ziehe die Polygamie vor“, hat Bruni über ihr bewegt-bewegendes Liebesvorleben einmal gesagt. Sarkozy traut sich trotzdem. Ist er stärker? Ist sie stärker? Keiner weiß es. Sie selbst wissen es wahrscheinlich am wenigsten. Frappierend sorglos genießen sie ihre Gefühlsverschwendung, lachen über die empörten Kopfschüttler, pfeifen auf jede Etikette. Das ist nicht Hollywood, das ist Balzac. Also das Gegenteil von Vernunftehe, Riesterrente und Rabattmarke.

Ist es zu schön, um wahr zu sein? Vielleicht. Na und?

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