Meinung : …Frankreich

Hans-Hagen Bremer

Er schwamm mit Delfinen. Nun will er es mit politischen Krokodilen aufnehmen. Nicolas Hulot, Frankreichs bekanntester Naturschützer, schließt nicht aus, im Frühjahr 2007 als Präsident zu kandidieren. Das ist nicht als Versprechen zu verstehen, sondern als Drohung. Der „Mann, der die Erde retten will“, wie ihn die Wochenzeitschrift „Le Nouvel Observateur“ nennt, will Frankreichs Politiker in Sachen Umweltschutz auf Trab bringen, indem er ihnen Stimmen streitig macht. Die nächsten Sendungen des vom Fernsehsender TF1 ausgestrahlten Magazins „Ushuaia“, mit dem er nach dem Urteil seiner Landsleute zum besten Sachwalter eines nachhaltigen Umweltschutzes wurde, hat er jedenfalls schon mal vorproduziert. Für den Fall, dass er glaubt, seine Drohung wahr machen zu müssen, will er die Hände frei haben.

Die Ökologie soll im Zentrum des Präsidentschaftswahlkampfs stehen, fordert der 51-jährige Abenteurer, TV-Reporter und Schriftsteller. Mit seinen in allen Erdteilen gesammelten und in zahlreichen Büchern veröffentlichten Erfahrungen gründete er vor Jahren eine Stiftung. In deren Namen veröffentlichte er jetzt mit einer Startauflage von 120 000 Exemplaren sein neuestes Buch „Pour un pacte écologique“, einen „Vertrag zwischen den Franzosen und ihrem neuen Präsidenten für eine ökologische Ausrichtung der Politik“. Den zur Präsidentenwahl kandidierenden Politikern schickte er Fragebögen zu, auf denen er Antworten zu seinen Vorschlägen verlangt – vom Energiesparen über die Umorientierung der Landwirtschaft bis hin zur Berufung eines für nachhaltige Entwicklung zuständigen Vize-Premierministers.

Noch vor der Veröffentlichung preschte Nicolas Sarkozy, der voraussichtliche Kandidat der Rechten, mit dem Vorschlag eines Superministeriums für Verkehr, Energie und Ökologie vor. Premierminister Dominique de Villepin zog mit der Ankündigung einer Steuer auf Kohle nach, und der Sozialist Laurent Fabius trug Hulot das Amt des Umweltministers an. Doch daraus wird nichts, Fabius ist aus dem Rennen. Der Star der Linken, die frühere Umweltministerin Ségolène Royal, blieb indes unbeeindruckt. „Unnütz“ nannte sie Hulots Kandidatur. Der konterte: „Das wird sie nur sein, wenn die Kandidaten seriöse Engagements eingehen.“

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