Franz Kahle, Bürgermeister in Marburg : "Kein Süddach soll ungenutzt bleiben"

Die „solare Baupflicht“, die der Marburger Gemeinderat am Freitag verabschiedet hat, hat Franz Kahle überregional bekannt gemacht. Während sich der grüne Baudezernent und Bürgermeister der hessischen Universitätsstadt als Praktiker für den Klimaschutz sieht, wirft ihm die Marburger Bürgerliste vor, eine "Ökodiktatur" einführen zu wollen.

Dagmar Dehmer

Marburg ist die erste Stadt, die Bauherren vorschreibt, bei einem Neubau mindestens 20 Prozent des Wärmebedarfs über Solarkollektoren zu decken. Damit geht die Marburger Satzung über das hinaus, was vom 1. Januar 2009 bundesweit ohnehin Pflicht wird. Im Gegensatz zum Erneuerbare-Wärme- Gesetz, das der Bundestag Anfang Juni beschlossen hat, gibt es in Marburg zudem eine Pflicht zum Einsatz von Solarthermie in Altbauten. Wird eine Heizungsanlage erneuert oder ein Haus umgebaut, wird auch im Bestand eine Solaranlage fällig. Wer keine Solarthermie- Anlage bauen will, darf auch eine Fotovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung installieren. Der 49-jährige Bürgermeister argumentiert, eine entsprechende Solarthermie-Anlage sei schon für 5000 Euro zu haben und rechne sich bereits nach 10 bis 15 Jahren. Das hessische Baurecht lasse die Solarsatzung zu, sagt er. Denn es gibt bereits einige, die gegen den Beschluss klagen wollen.

Warum die Marburger Solarsatzung so viel Aufregung verursacht, kann Franz Kahle „nicht nachvollziehen“. Und tatsächlich hat das Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes Baden-Württemberg, das ebenfalls deutlich über die Bundesvorgaben hinausgeht, bedeutend weniger Wellen geschlagen. Dabei sind die Vorgaben, die die Stuttgarter Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) durchgeboxt hat, ebenfalls ziemlich anspruchsvoll.

In Baden-Württemberg gilt für Neubauten wie in Marburg eine 20-Prozent-Nutzungspflicht für erneuerbare Energien bei der Heizung, das gilt bereits seit dem 1. Januar 2008. Auch in Baden-Württemberg sollen Solarthermie, Holzpelletheizungen oder die Erdwärmenutzung auch bei Altbauten Einzug halten. Beim Austausch einer Heizungsanlage sollen von 2010 an mindestens zehn Prozent der Raumwärme erneuerbar gewonnen werden. Davor ist der Bund zurückgeschreckt. Statt einer Nutzungspflicht auch bei Altbauten hat der Bund ein Förderprogramm für den Einsatz erneuerbarer Energien in Altbauten aufgelegt. So viel Streitlust wie Tanja Gönner oder Franz Kahle brachte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) an diesem Punkt nicht auf. Dagmar Dehmer

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