Meinung : Frau für früher

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Harald Schmidt hätte heute keine Chance mehr. Die Quoten seiner „Late Night Show“ wären zu schwach: Im Schnitt 800 000 Zuschauer, da schüttelt sich Sat 1 vor Grausen – und setzt „Anke Late Night“ nach fünf Monaten ab. Das Fernsehen hat für die Programmstunde vor Mitternacht längst andere, höhere Maßstäbe gesetzt. „Beckmann“ in der ARD, „Johannes B. Kerner“ im ZDF oder RTL mit der Krimiserie „Monk“ – hier wird mit zwei Millionen Zuschauern und mehr gerechnet. Da braucht es ein passgenaues Format. Anke Engelke hat als „Ladykracherin“ enormen Erfolg, aber eben um 20 Uhr 15, als Entertainerin für die Familie, bei Frauen und bei Kindern. Beide Zielgruppen sitzen nach 23 Uhr gar nicht oder in geringer Zahl vor dem Bildschirm. Der „Late Night“Flop der Engelke zeigt, wie grausam das Fernsehen (und sein Publikum) ist: Alles zu seiner Zeit, jeder an seinem Platz. Kerner sucht in der Primetime nach den Lieblingsbüchern der Deutschen, um dann im späten Kammertalk den mehr oder weniger Prominenten Bekenntnisse herauszulocken. Anke Engelke wollte partout mit „Late Night“ Erfolg haben. Das aber wollte das Publikum nicht. Einst suchte auch Thomas Gottschalk als Late-Talker bei RTL Ehre, Ruhm und Quote. Da ist er gescheitert – und macht heute Europas erfolgreichste Fernsehshow. jbh

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