Frauenquote : Die Quote kommt, und das ist gut so!

Die künftige große Koalition einigt sich auf eine Frauenquote in den Aufsichtsräten, endlich! Gut 500 Unternehmen in Deutschland müssen sich jetzt nach kompetenten Frauen umsehen - und die Frauen müssen weiterkämpfen.

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Mehr Frauen in die Aufsichtsräte: Die Koalitionäre haben die Quote beschlossen
Mehr Frauen in die Aufsichtsräte: Die Koalitionäre haben die Quote beschlossenFoto: dpa

Nun wird sie also eingeführt, die Frauenquote, ab 2016. Lang und heftig war der Streit darum, ob die Quote den Frauen auf dem Karriereweg nach oben helfen oder eher zum Mittel der Beschämung wird. Nach dem Motto: Leistung zählt nicht bei Frauen, sondern nur Quote. Und was ist mit den Unternehmen und ihren Rechten? Auch gegen sie musste sich die Quote gegen heftige Kritik zur Wehr setzen. Unternehmenslenker wollen sich von der Politik nicht in ihre Geschäfte hineinreden lassen.
Die Politiker von SPD und der Union haben nun entschieden. Natürlich ist es nur ein erster Schritt in Richtung Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Ungefähr 500 Unternehmen in Deutschland, börsennotiert und mitbestimmt, müssen sich jetzt bald auf die Suche nach kompetenten Frauen machen, die sie ab 2016 in ihre Aufsichtsräte wählen. So soll es ein Gesetz vorschreiben, das die Großkoalitionäre verabschieden wollen, wenn sie regieren.
Mit dieser Frauenquote endet ein jahrelanges Gezerre um Selbstverpflichtungen und Selbstbestimmungen der deutschen Wirtschaft. Endlich bekennt sich Deutschland zu Standards, die bei unseren europäischen Nachbarn längst gelten. Nach zähem Ringen gegen Beharrungskräfte in den Wirtschaftsverbänden hat sich der weitverbreitete Wunsch der Gesellschaft nach einer Frauenquote durchgesetzt. Politik setzt dafür die Standards und nicht Interessenvertreter. Es wurde Zeit.

Das Gesetz regelt nicht alles - die Frauen müssen jetzt anpacken

So wichtig für das Selbstverständnis von berufstätigen Frauen dieser Schritt auch ist – es geht schließlich um ein Symbol, das nicht zu unterschätzen ist –, so wenig wird er zunächst am beruflichen Dasein tausender und abertausender Frauen ändern, die nicht bei den ganz großen Konzernen arbeiten. Denn SPD und Union vertrösten sie in ihrem Koalitionsvertrag auf „Flexi-Quoten“ und Gleichstellungsberichte.
Das mag zunächst nach einer Mogelpackung aussehen, nach einem Placebo, von dem nur die weibliche Crème de la Crème der deutschen Wirtschaft profitiert. Doch das ist es nicht. Das muss es zumindest nicht sein. Denn der Zwang, sich in den nächsten Jahren mit dem eigenen Anteil von Frauen in Führungsetagen kritisch auseinanderzusetzen, wird mehr als den Top 500 auferlegt. Auch Unternehmen, die dem Bund gehören, und wissenschaftliche Einrichtungen werden sich intensiver mit ihrer weiblichen Präsenz in den Führungsetagen beschäftigen müssen.

Das wird im besten Fall viel Staub aufwirbeln. Und das ist auch gut so: Wo immer in Zukunft Führungspositionen besetzt werden, muss die Wahl einer Frau den Status des Besonderen, der Ausnahme, verlieren und zur Selbstverständlichkeit werden. Dafür können aber noch so viele Gesetze nicht sorgen. Das müssen die Frauen schon selbst in die Hand nehmen. Seit 1977 dürfen Frauen hierzulande ohne Genehmigung ihres Ehemannes arbeiten. Das haben sie auch erkämpft.

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