Fred Thompson : „Wir stoppen Washingtons Expansion“

Fred Thompson will Präsident der USA werden. Ein Portät über den konservativen Südstaatler.

Christoph von Marschall

In der TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber am Mittwochabend in New Hampshire fehlte er noch, war aber das große Thema. In Kalifornien, 5000 Kilometer weiter westlich, hatte Fred Thompson soeben in Jay Lenos „Late Night Show“ erklärt: Auch er tritt an. Der 65-Jährige mit der tiefen Stimme und Macho-Image will es Ronald Reagan gleichtun und seine Filmpopularität in politische Macht ummünzen. In der TV-Serie „Law and Order“ ist er der Staatsanwalt, eine Mischung aus Strenge, großem Herz und gesundem Volksempfinden.

Der Schritt war lange erwartet und bereits für den 4. Juli angekündigt worden, den Nationalfeiertag. Doch damals gab es Personalprobleme im Kampagneteam, die Wahlkampfspenden blieben unter den Erwartungen, Mitarbeiter kündigten, weil Thompsons Frau Jeri, eine um 24 Jahre jüngere blonde Schönheit und Ex-Politikberaterin, zu viel Einfluss nahm. Eine weitere Sorge war: Die „Law and Order“- Serie lief noch bis Ende August und eine Fairnessklausel im Wahlrecht garantiert allen Bewerbern gleiche Fernsehzeit. Jetzt spotten die Konkurrenten über den späten Start: „Warum die plötzliche Eile?“ Sein Fehlen in der Debatte in New Hampshire sei feiges Kneifen.

Doch auch sie wissen: Bereits als Phantomkandidat ist er in den Umfragen, wen Republikaner gerne ins Rennen schicken möchten, auf Platz zwei hinter New Yorks Ex- Bürgermeister Rudy Giuliani geklettert. Thompson füllt eine Lücke, er ist der einzige Konservative aus den Südstaaten. Er verspricht die Rückkehr zu Grundtugenden der Rechten: „Wir stoppen den Machtzuwachs der Bundesregierung, steigende Steuern und wachsende Ausgaben.“ Als Countryboy aus Tennessee, der in Washington aufräumt, so hat er auch 1994 seinen Senatssitz gewonnen. 2003 kehrte er ins Filmgeschäft zurück.

Vier Monate vor Beginn der Vorwahlen scheint das Kandidatentableau der Republikaner für 2008 komplett zu sein, bei den siegesgewissen Demokraten ist das seit Monaten der Fall. Thompsons Eintritt und die erste Debatte nach der Sommerpause machen die Konkurrenz spannend. Giuliani, bisher Favorit, hat die Rechte am Mittwoch enttäuscht, er redete zu viel von seinen Erfolgen in New York und zu wenig über seine Pläne als Präsident. Senator John McCain aus Arizona, von vielen bereits abgeschrieben, ist wieder da. Sein Eintreten für mehr Truppen im Irak gilt jetzt, wo sich Erfolge zeigen, als Stärke. Die Republikaner fassen wieder Mut. 

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