Frei – und doch allein : Die Affäre DSK" ist noch nicht beendet

So wendet sich das Blatt. Dominique Strauss-Kahn, den eine New Yorker Zeitung noch im Mai als "Perv" – also als perversen Lüstling – gebrandmarkt hatte, kann wieder nach Frankreich zurückkehren.

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Mit der Entscheidung der New Yorker Staatsanwaltschaft, die Vorwürfe wegen der angeblichen Vergewaltigung des Zimmermädchens Nafissatou Diallo fallenzulassen und das Verfahren einzustellen, geht eine der spektakulärsten Ermittlungen gegen einen der Mächtigen dieser Welt zu Ende. An deren Ende stehen ein IWF-Chef, der seinen Job verlor, ein mögliches Vergewaltigungsopfer, das als Lügnerin dasteht, und eine Öffentlichkeit, für die sich auch nach der Entscheidung in New York viele Fragen stellen.

Was sich tatsächlich am 14. Mai zwischen „DSK“, dem einstigen Chef des Internationalen Währungsfonds, und Nafissatou Diallo abspielte, wird die Öffentlichkeit nie erfahren. Aus rechtlicher Sicht gab es aber nur zwei Möglichkeiten: Entweder ließ sich Strauss-Kahn an jenem Tag im Luxushotel „Sofitel“ nichts zuschulden kommen – dann wäre seine Karriere durch eine falsche Anschuldigung zertrümmert worden. Oder er hat eine Vergewaltigung begangen – ein Vorwurf, der allerdings durch die Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos ins Wanken geriet. Und da auch – ähnlich wie im Fall Kachelmann – diese Zweifel für den Angeklagten sprachen, blieb der Staatsanwaltschaft kaum eine andere Wahl, als das Verfahren einzustellen.

Abgeschlossen ist die Affäre dennoch nicht. Zwar hat der Skandal um „DSK“ die Öffentlichkeit gelehrt, dass man sich vor einer Vorverurteilung hüten sollte. War es erst Strauss-Kahn gewesen, der als sexbesessener Machtmensch an den Pranger gestellt wurde, so entstand nach der Wende des Falles vor knapp zwei Monaten der Eindruck, Nafissatou Diallo sei in erster Linie eine habgierige Betrügerin. Aber auch wenn die Rechnung der Anwälte Strauss-Kahns nun aufgegangen ist, ihren Mandanten von sämtlichen Vorwürfen reinzuwaschen, so mag man dem nicht so ohne Weiteres folgen.

Denn zu den Konsequenzen der Affäre gehört es ja, dass vor der Folie der New Yorker Ermittlungen weltweit das Verhältnis zwischen den Geschlechtern diskutiert wurde. Nicht zuletzt in Frankreich, wo die Laufbahn Strauss-Kahns begann und wo sie eigentlich ihr krönendes Ende hätte nehmen sollen, begehrten Frauen gegen einen allgegenwärtigen Chauvinismus auf. Dort droht dem früheren Superminister allerdings auch eine Anklage wegen eines angeblichen sexuellen Übergriffs auf die Schriftstellerin Tristane Banon. Seinen Lebenstraum, die Nachfolge des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy anzutreten, kann Strauss-Kahn jedenfalls beerdigen.

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