Frei.Wild : Lechts und rinks

Mhmm, die stark rechtslastige Band Frei.Wild will stets missverstanden worden sein und wettert gegen rechts. Unser Kolumnist Helmut Schümann wundert sich ein wenig und erinnert daran wie leicht lechts und rinks zu velwechsern sind.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Der österreichische Lyriker Ernst Jandl hat den wohl trefflichsten Satz zur Positionierung formuliert: „lichtung. manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum.“ Auf Österreich werden wir noch zurückkommen. Dabei ist es doch ganz einfach. Rechts ist da, wo der Daumen links ist. Und umgekehrt. Und nachdem nach der französischen Julirevolution im Parlament der Adel auf der vermeintlich vornehmen rechten Seite saß und die Revolutionäre auf der linken, also da, wo das Herz schlägt, hat sich die politische Positionierung durchgesetzt. Auch 1848 in der deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche, sogar bis heute. Links, rechts, nicht verwechseln, in der Mitte sitzt nicht Fisch, nicht Fleisch, man nennt das FDP.

Nun ein Blick nach Südtirol. Das ist in Italien. Es gibt dort zahlreiche Menschen, die vorgeben, den Anschluss nach Österreich, also ins Jandl-Land, zu suchen. Das alleine ist schon ziemlich dämlich und würde Jandl im Grabe rotieren lassen. Noch dämlicher wird es dadurch, dass diese Menschen eigentlich nicht den Anschluss nach Österreich suchen, sondern den Anschluss an die Ostmark. Es heißt zwar, dass böse Menschen keine Lieder haben, aber in Südtirol haben sie Frei.Wild. Das ist eine dubiose Band, die vor einiger Zeit bei der Echo-Verleihung einen Eklat auslöste. Weil sich anders positionierte Musiker weigerten, an der Echo-Verleihung teilzunehmen, weil Frei.Wild in ihren Texten mehr oder weniger den Anschluss an die Ostmark besangen.

Mit anderen Worten: Frei.Wild gilt als rechtsradikal und hat ihre Fans in eben dieser Szene. Oder muss man sagen: Frei.Wild galt als rechtsradikal? Die Band hat sich nämlich jetzt deutlich positioniert, sich gegen Fremdenhass ausgesprochen, die Fremdenhasser „asoziale Arschlöcher“ genannt und die Anhänger von AfD und Pegida „Idioten“. Wobei ihnen vollinhaltlich zuzustimmen ist, so viel zur persönlichen Positionierung. Und nun ist die Aufregung bei den asozialen Arschlöchern und den Idioten groß. Sie wollen Frei.Wild nicht mehr hören, sondern die Band boykottieren. Sie wird sich, wenn es denn ein ehrliches Statement war, freuen. Weil sie sich wohl oft im Ton velgliffen hat, abel lechts und rinks dann doch nicht velwechsert hat.

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