Meinung : Freidenker Honecker

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Das reißt einen natürlich vom Stuhl: Margot Honecker bricht ihr Schweigen. Ausrufungszeichen! Da liegt es nun, das Schweigen, ganz kaputt, und schon kommen Zweifel: Wäre fortdauerndes Schnauzehalten nicht doch die sympathischere Lösunggewesen? Na, nun redet sie also, über ihren Erich, den sie „Honecker“ nannte. Und mit jedem Wort wird die Frage stärker, was der eigentlich an dem komischen Staat gefunden hat, dem er da vorsitzen musste. Wenn er raus wollte zum Staatsbesuch, dann ging das nur mit Stempel im Diplomatenpass, und die SED-Betonfraktion quälte ihn so, dass er 1980 dem neuen DDR-Freidenkerverband beitrat. Ja, womöglich wäre er heute, falls noch am Leben, ein netter, nuschelnder Rentner mit Hut, der am PDS-Wahlkampfstand Handzettel verteilt, sich von Erich Mielke distanziert und Rot-Grün die Duldung anbietet? Mit Udo Lindenberg auf der Bühne den Mantel tauscht und „Sonderzug nach Pankow“ mitbrummt? Ähm: Lieber nicht. Genau genommen wäre es sogar am besten, wenn Margot H. ihr Schweigen wieder ganz machen würde.

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