Meinung : Freier Eintritt für die Kunst

„Von London lernen“ vom 15. Oktober

Im ehemaligen West-Berlin war ein Großteil der Museen und auch Stadtbibliotheken kostenlos. Da ich direkt am Schloss Charlottenburg wohne, bin ich damals oft kurz zwischendurch in eines der zahlreichen Museen gegangen, um ein bestimmtes Lieblingsbild oder Ausstellungsstück anzusehen. Trotz des kostenlosen Eintritts war die Atmosphäre immer angenehm, und niemals gab es den offensichtlich heute irrtümlich vermuteten Ansturm pöbelnder Massen. Ich arbeite selbst in einem Berliner Museum und erlebe regelmäßig, wie groß der Zuspruch an Tagen mit freiem Eintritt ist. Wer das rege Interesse dieser Besucher, den Feuereifer der Kinder und ihre sich spontan entwickelnde Fantasie miterlebt, kann sich doch eigentlich nur dafür einsetzen, diese Erlebnisse so vielen Menschen wie möglich kostenlos zugänglich zu machen.

Ingrid Meyer, Berlin-Charlottenburg

Die Zahl der Besucher unserer Museen wird durch die Eintrittspreise gebremst. In New York und Italien habe ich als Rentner entweder einen ermäßigten oder keinen Eintrittspreis entrichten müssen. Bei uns interessiert sich meistens niemand für meinen grünen Ausweis. Zwölf oder 14 Euro, erhoben unter dem Vorwand Sonderausstellung, leistet man sich eben nicht allzu oft. Die Befürchtung, dass „pöbelnde Massen“ in eintrittsfreie Museen einfallen könnten, scheint man nur hier zu haben. Solange wir aber den Dünkel pflegen, dass nur „bereits gebildete“ Bürger das Verlangen nach Kunst haben, geht auch jede Kunsterziehung ins Leere.

Dieter W. Schneider, Berlin-Lankwitz

2010 ist auch der späte freie Donnerstag bei den Staatlichen Museen gestrichen worden. Es muss doch eine Möglichkeit geben, auch ohne Geld Kunst genießen zu dürfen. Manches Mal möchte man sich einfach den Caravaggio in der Gemäldegalerie anschauen. Bei den Eintrittspreisen ist das aber nicht möglich.

Werner Geyer, Berlin-Wedding

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