Freiheit im Internet : Die Technik hat die Piraten überholt

Mit ihrer Forderung nach Gratisbits für alle sind die deutschen Piraten ganz und gar nicht avantgardistisch. Sie wurden von der rasanten Entwicklung des Internets bereits überholt.

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Wer mit einer deutschen Internetadresse unlizenzierte Youtube-Videos anklickt, guckt neuerdings in die Röhre.
Wer mit einer deutschen Internetadresse unlizenzierte Youtube-Videos anklickt, guckt neuerdings in die Röhre.Foto: dapd

Mit dem Erfolg der Piratenpartei steht die Freiheit des Internets plötzlich ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Die Piraten wollen, dass jeder „User“ rauf- und runterladen darf, was er will, ohne Preisgabe seiner Identität und ohne Angst vor Repressalien. Die etablierten Parteien sind eigentlich dagegen, weil sie keinen virtuellen rechtsfreien Raum für Radikale, Pornoanbieter und Ideendiebe wollen; doch aus Furcht, vielleicht einen Jugendtrend oder gar den digitalen Zeitgeist verschlafen zu haben, äußern sie sich erst einmal vorsichtig.

Dabei ist das „freie Internet“ eine Utopie aus den Anfängen des digitalen Zeitalters, die von den heutigen Machern des World Wide Web längst beerdigt wurde. Während die deutschen Piraten Gratisdownloads für alle fordern, lassen Google, Facebook und Co. bereits das Web 3.0 vom Stapel: Im Internet der Zukunft wollen sie nicht mehr Visionen und Werbeflächen verkaufen, sondern endlich hartes Geld verdienen.

Wie bebildert man eigentlich die vielen Artikel über die Piraten? Hier die beliebtesten Motive...

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Rasant ist der Aufstieg der Piraten - entsprechend viele Artikel wollen bebildert werden. Wie klappt das eigentlich immer wieder? Wir haben ein paar Bilder gesammelt. Stets als Motiv beliebt: Der Playmobil-Pirat. Die Firma Playmobil findet das übrigens gar nicht witzig.Alle Bilder anzeigen
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24.04.2012 08:50Rasant ist der Aufstieg der Piraten - entsprechend viele Artikel wollen bebildert werden. Wie klappt das eigentlich immer wieder?...

Wie das funktionieren kann, hat Apple mit seinem iTunes-Store vorgemacht. Neben den Endgeräten verkauft der Branchenführer lizenzierte Musik, Videos, Bücher und Programme. Alles ist bequem herunterzuladen – und durch raffinierte Technik vor Raubkopierern geschützt. In der neuesten Variante „iTunes Match“ entfällt sogar das Herunterladen. Der Nutzer kauft nur noch die Lizenz und kann dann die bezahlten Medien von jedem Endgerät direkt aus der Cloud abspielen. Ähnliche Verfahren zum Schutz der Urheberrechte – etwa durch den Erwerb von Lizenzen über personalisierte Mobilfunkanschlüsse – werden derzeit von allen großen Internetfirmen entwickelt.

Das Web war bisher gratis, weil die technischen Voraussetzungen für die Erhebung von Gebühren fehlten. Diese glücklichen Zeiten sind allerdings vorbei: Wer mit einer deutschen Internetadresse unlizenzierte Youtube-Videos anklickt, guckt neuerdings in die Röhre. Auf der Website der „New York Times“ sind nur noch zehn Artikel pro Monat kostenlos, danach wird der Browser wie von Geisterhand gesperrt. Die nächste Generation von Hardware, Betriebssystemen und Internetbrowsern wird standardisierte Sicherheitssysteme enthalten, die nur noch ambitionierte Hacker überwinden können.

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