Meinung : Freunde als Meuchler

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Je satter die Macht, desto saftiger die Geschichten, die zu ihrem Ende führen. Edmund Stoiber ist ein Landesvater mit Zweidrittelmehrheit und lebt bis heute im Bewusstsein, dass nur Zufall und Betrug ihm die Kanzlerschaft versperrt haben. Wir erleben ein weiteres Schaustück bayerischer Götterdämmerungen, und wieder ist es von ausgesuchter Dramatik: Eine „schöne Landrätin“ legt Feuer an die schon ausgelegte Lunte; ihre Rolle ist ausgespielt, als sie der Gattin des Herausgeforderten die Hand reicht. Treueschwüre verleiten den uneinsichtigen Mächtigen zum finalen Fehler. Gefährten, die Loyalität zeigten, um ein Ende abzufedern, werden kenntlich als potenzielle Meuchler, deren Schwüre nur einen unausgetragenen Erbschaftsstreit verbergen sollten. Außerhalb des weiß-blauen Südens neigt man dazu, das alles nur als landesspezifischen Komödiantenstadl wahrzunehmen. Doch im Fall Stoibers zeigen sich eben die dunklen Züge demokratischer Macht. Wenn sie zu groß wird und zu lange währt, dann wird der Wechsel hässlich. tib

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