Meinung : Frieden auf italienisch

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Das Schöne am Kanzler ist, dass seine Erregung immer so schnell wieder abflaut. Im letzten Jahr hatte ein italienischer Politiker die deutschen Touristen beleidigt, und Gerhard Schröder strich seinen geplanten AdriaUrlaub. Während aber vermutlich mehrere Vortragende Legationsräte im Auswärtigen Amt noch immer den Zeitpunkt suchen, an dem der Bann mit größtmöglicher Diskretion vergessen werden könne, hat Schröder im Einklang mit den vier Bürgermeistern von Ischia Fakten geschaffen. Er ist nun Ehrenbürger dieser schönen Insel, ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte, eine Entscheidung mit Perspektive, die der Kanzlerfamilie vermutlich Freifahrt im Inselbus und Nudeln gratis bis zum Abwinken bringen wird, und die der deutsch-italienischen Freundschaft insgesamt nützt. Man beachte aber vor allem die souveräne Handhabung der Ehrenbürgerschaft durch die Bürgermeister als politische Waffe. Während Berlin immer erst Leute auszeichnet, die den größtmöglichen Schaden bereits angerichtet oder ihre Karriere hinter sich gebracht haben, gehen die Italiener ins volle Leben. Denken wir weiter: Franz Müntefering könnte Ehrenbürger von Neukölln werden, Edmund Stoiber Strandvogt auf der Pfaueninsel, und Roland Koch ernennen wir zum Honoraraufklärer beim Landeskriminalamt. Dann endlich hätte Berlin seinen Frieden mit der Bundespolitik gemacht. Frieden auf italienisch.

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