Frieden auf Sri Lanka? : Das Schwerste kommt erst noch

Nach all der Gewalt und der Propaganda haben viele vor ihren Landsleuten der jeweils anderen Ethnie Angst. Das ist im Osten der Insel gut zu sehen. Den hat die Regierung vor fast zwei Jahren von der LTTE befreit, wie sie es nennt. Ein normales Leben gibt es dort bis heute nicht.

Ingrid Müller

Militärisch ist der Kampf wohl geschlagen. Ein führender Vertreter der sogenannten Befreiungstiger LTTE verkündete „das bittere Ende“ der Schlacht auf Sri Lanka. Natürlich nicht, ohne zu behaupten, sie ließen ihre Waffen nur schweigen, weil sie nicht länger ertragen könnten, dass die Regierung mit ihren Angriffen das Blut unschuldiger Tamilen vergieße. Welche Lüge! Soll die Welt wirklich glauben, dass sie nach Jahrzehnten des Krieges mit der Erklärung auf einer tamilenfreundlichen Webseite kapitulieren? Einen Kampf beenden, der in seiner Rücksichtslosigkeit gegen Zivilisten von beiden Seiten seinesgleichen sucht? Es ist wohl eher der letzte Versuch, sich selbst am Ende noch als Handelnde zu präsentieren. Wenn der Krieg zu Ende ist, kommt jetzt Frieden für Tamilen und Singhalesen?

So sehr sich das die meisten Sri Lanker wünschen dürften – der Weg dahin ist weit. Furcht und Hass prägen das Land. Die Regierung hat daran genauso ihren Anteil wie die LTTE. Nach all der Gewalt und der Propaganda haben viele vor ihren Landsleuten der jeweils anderen Ethnie Angst. Das ist im Osten der Insel gut zu sehen. Den hat die Regierung vor fast zwei Jahren von der LTTE befreit, wie sie es nennt. Ein normales Leben gibt es dort bis heute nicht. Soldaten und Checkpoints prägen das Bild. Nicht zuletzt, weil auch die Regierung Angst hat. Nicht nur vor Attentätern, auch vor jeglicher Kritik. Wer sich nicht einschüchtern lässt, wird umgebracht, unabhängige Beobachter lässt die Regierung im Norden längst nicht mehr zu.

Präsident Rajapakse und die singhalesisch geprägte Regierung werden jetzt keine Friedensgespräche mit den verbliebenen Kadern führen, sondern ihren Sieg auskosten wollen. Doch der militärische Erfolg wird den Herren in Colombo nichts nützen, wenn sie nicht auf die Tamilen zugehen. Sie müssen der Volksgruppe Mitsprache gewähren, sonst endet die Spaltung nie. Allerdings macht der Umstand, dass die Regierung bei ihrer blutigen Offensive nicht einmal an die Versorgung der Flüchtlinge gedacht hatte, wenig Hoffnung, dass sie sich Gedanken über den politischen Prozess gemacht hat. Der aber wird schwieriger, als Bomben zu werfen. Eine Versöhnung wird wohl so lange dauern wie der Krieg. Das wären zwei Generationen.

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