Meinung : „Fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag“

Matthias Thibaut

Sie soll die Raucherquote und die Zahl der Teenagerschwangerschaften senken. Als Ministerin für Bluthochdruck hat sie dem Salzanteil im Essen den Kampf angesagt, dabei ist sie mit dem Kampf gegen das Kampftrinken schon voll ausgelastet. Doch nun hat Caroline Flint die schwergewichtigste aller Aufgaben übernommen: Als „Ministerin für Fitness“ soll sie die Briten vor der Volksverfettung retten.

Die Mutter dreier Kinder, die sich nach Art progressiver Labour-Politikerinnen „Miss Flint“ nennen lässt, hat die besten Voraussetzungen dafür: Sie gilt nicht nur als verlässliche Erfolgspolitikerin, sie hat auch einen beispielhaften Körpermasseindex. Schlank und rank, ist die 45-Jährige eine der hübschesten der „Blair’s Babes“, jener 101 Labourfrauen, die 1997 mit Tony Blair ins Unterhaus einzogen, um Großbritannien moderner und fitter zu machen.

Doch stattdessen werden die Briten fetter. Die Zahl der übergewichtigen Männer wird sich den Prognosen zufolge von 22 Prozent 2003 auf ein gutes Drittel 2010 erhöhen. Ein noch größerer Fettfleck auf dem schönen Labour-Großbritannien sind die übergewichtigen Kinder – bei unter 15-jährigen Mädchen werden es 2010 schon 22 Prozent sein. Da geht es nicht nur um Schönheit. Die Fettsucht kostet die britische Volkswirtschaft laut Flint schon jetzt 7 Milliarden Pfund im Jahr.

Als Ministerin für Volksgesundheit soll Flint nun Lifestyle-Hilfe geben. „Fünf Obst- oder Gemüseportionen pro Tag“, verkündet sie seit Jahren. Aber man muss nur einen der Discount-Läden besuchen, um zu verstehen, dass die Familien aus der Arbeiterklasse, die sich von Crisps, Billig Burgern, Chicken Nuggets und Schokoriegeln ernähren, mit einem Kohlkopf gar nichts anzufangen wüssten.

„Kleine Veränderungen, großer Unterschied“, verkündete Flint am Rande der Ruder-Weltmeisterschaft. Mehr Rudermaschinen in Schulen sind geplant. Die Briten sollen Treppen steigen und den Lift verschmähen und wenigstens 30 Minuten am Tag in Bewegung bleiben.

Wenn nötig, will Tony Blair im nächsten Jahr die Werbung für „Junk Food“ verbieten lassen. Aber das wäre dann Arbeit für Kabinettsminister mit größerem BodyMass-Index, den Kuchenliebhaber Vizepremier John Prescott zum Beispiel. Der Frage, wie es mit der Fitness der Kabinettskollegen sei, wich Flint aus. Sie sehe sich nicht als Aerobic-Lehrerin des Kabinetts.

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