Meinung : Für Deutschland nur die Besten

Teamchef Rudi Völler will Quoten für Einheimische in der Bundesliga – dabei brauchen Kicker Konkurrenz, um gut zu werden

Friedhard Teuffel

Rudi Völler und Karl-Heinz Rummenigge kommen zwar aus derselben schönen Fußball-Welt, aber inzwischen leben sie in unterschiedlichen Denkgebäuden. Rummenigge sagt, es dürfe in der Bundesliga keine Ausländerbeschränkung aus Rücksicht auf deutsche Talente geben. Der FC Bayern München, dessen Vorstandsvorsitzender Rummenigge ist, könne nicht der „FC Deutschland sein“, und der niederländische Stürmer Roy Makaay helfe seinem Klub mehr als der deutsche Miroslav Klose. Teamchef Völler hat nun dagegengehalten: Der Ausländeranteil in der Bundesliga sei viel zu hoch, bei den Stürmern liege er bei 70 Prozent. Die Nationalelf sei an einem Punkt, an dem man ernsthaft über Hürden nachdenken müsse. Andere Länder hätten längst reagiert.

Wieder einmal sind damit die beiden gegensätzlichen Wertvorstellungen im Fußball artikuliert worden, von zwei Spielern, die früher Seite an Seite auf dem Platz standen. Die Bundesliga gehört zur Unterhaltungsindustrie und folgt so den Gesetzen des Marktes. Welche Begründung gäbe es da, einen deutschen Spieler einem Brasilianer vorzuziehen, wenn er nicht besser Fußball spielt? Die Identifikation etwa? Längst haben die Klubfans die ausländischen Spieler angenommen. Für den Brasilianer Marcelinho dürften zum Beispiel die Fans von Hertha BSC mehr empfinden als für Fredi Bobic. Solange Leistung und Einsatz für den eigenen Klub stimmen, ist der Fußballfan farbenblind.

Die Nationalmannschaft verkörpert dagegen eine andere Wertewelt. Dort soll das Gefühl der Verbundenheit stärker sein als die Logik des Marktes, und der Deutsche Fußball-Bund erweckt – Völler eingeschlossen – stets den Eindruck, als seien Gesellschaft, Vereine und Spieler der Nationalmannschaft dauerhafte Unterstützung schuldig. Die Nationalmannschaft ist aber auch ein gutes Forum für verkappte Deutschtümelei, und deshalb hat schnell auch noch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Gerhard Mayer-Vorfelder, Rummenigge widersprochen: Selbst der talentierteste deutsche Spieler könne sich nicht durchsetzen, wenn ein erfahrener ausländischer Nationalspieler für seine Position verpflichtet werde.

Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass Vertretern dieser Position allmählich die Argumente ausgehen. In der Nationalelf sollten die Spieler stehen, die sich gegen ihre Konkurrenten behauptet haben und keine, denen die Quote ins Nationaltrikot verholfen hat. Würde die Nationalmannschaft zurzeit besser spielen, wenn die deutschen Fußballer weniger ausländische Konkurrenz in der Bundesliga hätten? Mit Sicherheit nicht. Die Ursache für schlechte Leistungen der Nationalmannschaft liegt vielleicht gerade darin, dass dort über die Spieler noch zu oft die schützende Hand gehalten wird. In ihren Vereinen sind sie längst andere Töne gewohnt.

Für seine Forderung nach einer Ausländerbeschränkung hat sich Völler auch einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht. Derzeit wirkt sein Vorschlag eher als Ablenkungsmanöver von schwachen Leistungen der Nationalmannschaft und von einem Jahrzehnt mangelhafter Nachwuchsarbeit des DFB. Ein Beitrag zur Stärkung des Selbstbewusstseins ist er jedenfalls nicht. Gut möglich, dass die Diskussion um eine Ausländerbeschränkung jetzt noch einmal aufflammt – dann vielleicht zum letzten Mal. Denn je größer die Europäische Union wird, desto weniger Sinn liegt in einer Beschränkung. Eine neue Ausländerquote wäre eine zusätzliche Regel, die das an sich so bekömmliche Spiel Fußball nur belasten würde. Es wird daher Zeit, dass sich auch der konservative Männerbund DFB und sein Teamchef an die Tatsache gewöhnen, dass Deutschland ein Fußball-Einwanderungsland ist.

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