Meinung : „Für Europa und Litauen …

Julian Wyszynski-Trzywdar

Als Valdas Adamkus am 25. November die Entscheidung bekannt gab, er werde in seiner Funktion als Staatspräsident Litauens am nächsten Tage in die ukrainische Hauptstadt Kiew fliegen, um zu helfen, die schwere politische Lage dort nicht weiter eskalieren zu lassen, war die Verwunderung auf allen Seiten groß. In Westeuropa fragten sich viele, wie der 78-Jährige oberste Repräsentant Litauens aus dem kleinen baltischen Staat wohl in dieser Angelegenheit helfen könne. Und selbst im eigenen Land bekam Adamkus keineswegs nur Zustimmung. Zwar kam die Kritik in erster Linie von Seiten des Regierungschefs, der die Reiseabsicht des Staatsoberhauptes mit Skepsis kommentierte, doch die innenpolitische Balance hat sich verändert seit diesem Tag.

Man solle den russischen Bären besser nicht reizen, so die Empfehlung von Ministerpräsident Brazauskas, der damit zu verstehen geben wollte, dass Moskau die Beteiligung von Adamkus nicht unbedingt als Hilfe verstehen würde. Brazauskas, der eine Parteikarriere in der Sowjetunion hinter sich hat und zur Zeit des politischen Umbruchs Generalsekretär der KP in Litauen war, weiß sicher, wovon er spricht.

Doch Adamkus ließ sich von seinem Entschluss, an der Friedensmission in der Ukraine mitzuwirken, nicht abbringen. Schon gar nicht durch die Argumentation, man werde ihn, der den größten Teil seines Lebens als Emigrant in den USA zugebracht hat, dort als Vertreter des Westens ansehen. Tatsächlich genießt der litauische Präsident, der erst im Sommer mit deutlicher Mehrheit zum zweiten Mal gewählt wurde, überall in Europa, besonders aber in den Nachbarstaaten Lettland, Weißrussland und Polen, großes Ansehen. Adamkus, der in Würzburg zur Schule ging und in München sein Studium begann, ist ein sprachbegabter Diplomat der alten Schule und ein zäher Kämpfer. So hat er gelernt, auch mit den Empfindlichkeiten Russlands umzugehen.

Für Litauen bedeutet die Mission von Adamkus eine wichtige Bewährungsprobe als Mitglied der EU. Und selbst alle Mediatoren gestern nach ihrem dritten Besuch in Kiew offenbar unverrichteter Dinge abreisen mussten, sollte man nicht glauben, dass die Sache schon verloren wäre. Der Vermittler Adamkus ist jedenfalls für die Lösung der Probleme in der Ukraine auch aus historischer Sicht der richtige Mann. Das weiß man in Kiew – und vermutlich auch in Moskau.

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