Meinung : „Für mein Versagen ...

Malte Lehming

... habe ich mich beim Präsidenten entschuldigt.“

Was sind in den USA die Fundamente einer konservativen Außenpolitik? Pro Taiwan, anti Kuba, pro Israel, anti Iran und Nordkorea, für ein starkes eigenes Militär, skeptisch gegenüber den UN und nicht verifizierbaren internationalen Verträgen. Wer diese Weltsicht teilt, ist nicht automatisch ein Eiferer. Er kann, in einem unideologischen Sinne, die Demokratie für die beste aller Staatsformen halten, sich ihre Ausbreitung wünschen und ihre Gegner eindämmen wollen. Das tut auch Stephen Hadley, der künftige Sicherheitsberater von Präsident Bush. Der 57-Jährige folgt Condoleezza Rice nach, deren Stellvertreter er bislang war.

Dramatische Veränderungen sind durch die Personalrochade nicht zu erwarten. Hadley ist ein loyales Arbeitstier. Ihn zeichnet nicht Sendungsbewusstsein aus, sondern Fachkenntnis. An der Eliteuniversität Yale studierte er gemeinsam mit Hillary Clinton. Dann zog es den Juristen in die Politik. Er arbeitete für Richard Nixon, Gerald Ford und George Bush senior. Zwei gegensätzliche Charaktere prägten ihn besonders: Brent Scowcroft, der Sicherheitsberater von Ford, ein moderater, pragmatischer, weltoffener Mann – und Richard Cheney, der amtierende Vizepräsident, der eher verschlossen, misstrauisch und strikt konservativ ist. Hadley dürfte von beiden ein bisschen haben.

Mit zwei unrühmlichen Episoden gelangte er in die Schlagzeilen. Ende Februar 2003 schrieb Hadley ein pathosgeladenes Editorial in der „Washington Post“: In seine Verantwortlichkeit fiel damals die Planung für den Nachkriegsirak. Künftige Historiker, die sich mit der Geschichte des Nahen Ostens befassen, würden später nicht fragen „Was ging schief?“, sondern: „Warum lief es richtig?“ Diese Prognose kann man, im Lichte der Realität, als blauäugig bezeichnen. Die noch größere Blamage folgte fünf Monate später: Hadley präsentierte sich als Sündenbock. Er nahm alle Schuld auf sich, dass Bush in seiner Rede an die Nation – gegen die Bedenken der CIA – fälschlicherweise den Eindruck erweckt hatte, der Irak habe in Afrika Uran erwerben wollen. Hadley räumte ein, die CIA-Memoranden gekannt zu haben, als er den Redeentwurf las. Den Fehler entschuldigte er mit seinem schlechten Gedächtnis.

Für seine Loyalität hat Bush ihn nun befördert. Hadley gilt als Europaexperte, schon früh warnte er vor einem nuklear aufgerüsteten Iran, mit Israels Premier Ariel Scharon ist er befreundet. Zweifel an seinen herausragenden Koordinierungsqualitäten hat keiner. Seinen Stempel freilich wird er dem Amt wohl kaum aufdrücken. Auch fehlt ihm der persönliche Zugang zu Bush, wie Rice ihn hatte. Er fühlt sich am wohlsten im Hintergrund – dort, wo Entscheidungen gefällt werden, aber keine Kameras zugelassen sind.

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