Meinung : Für Zuwanderer unattraktiv

„Locken und Halten / In Deutschland fehlen Fachkräfte – die Hürden für Zuwanderer sollen gesenkt werden“ und „Merkel lehnt leichtere Einwanderung ab / Kanzlerin ist gegen Pläne von Brüderle und Schavan, mehr ausländische Fachkräfte ins Land zu holen“ von Cordula Eubel vom 3. August

Erneut wird die Debatte um die zu erleichternde Zuwanderung ausländischer Fachkräfte über die Höhe des von ihnen nachzuweisenden Einkommens geführt. Dabei wird übersehen, dass die deutsche Rechtslage es ausländischen Fachkräften unattraktiv macht, den deutschen Arbeitsmarkt gegenüber Angeboten anderer Länder zu bevorzugen, wenn sie sich nur hinreichend informieren. Dies sei an einem Beispiel aus meiner beruflichen Praxis aufgezeigt: Zwei ausländische Ingenieure kommen mit Anfang 30 nach Deutschland, sind hier wirtschaftlich erfolgreich, gründen Familien und erwerben die deutsche Staatsangehörigkeit. Nach dem Tod ihres Vaters möchten sie ihre Mutter mit Ende 70 zu sich nach Deutschland holen, damit diese sich im Familienkreis geborgen und umsorgt fühlen kann. Paragraf 36 des Aufenthaltsgesetzes ermöglicht dies allerdings nur „zur Vermeidung einer außergewöhnlichen Härte“ und auch dann nur nach Ermessen. Nach der gängigen behördlichen Praxis und Rechtsprechung ist damit eine Verwirklichung dieser zutiefst menschlichen Absicht ausgeschlossen, wenn auch nur irgendein noch so entfernter Verwandter noch im Herkunftsland lebt und nicht der Tod der Mutter unmittelbar bevorsteht.

Wer wollte angesichts solcher Aussichten jungen ausländischen Fachkräften ernsthaft raten, sich der deutschen Wirtschaft zur Verfügung zu stellen?

Ralf Diefenbach, Richter am

Verwaltungsgericht, Berlin-Steglitz

Es erscheint meines Erachtens absurd, von Fachkräftemangel zu sprechen, solange es in vielen Fachbereichen (auch zum Beispiel unter uns Ingenieuren) gute Hochschulabsolventen gibt, die als befristete Honorarkräfte/freie Mitarbeiter oder gar als Praktikanten arbeiten müssen.

Aber die Unternehmen und auch öffentliche Arbeitgeber wollen eben die große Auswahl an günstigen Fachleuten behalten und jammern dann schnell gebetsmühlenartig über einen angeblichen „Mangel“.

Ansprüche wieder auf ein realistisches Maß zurückstutzen und auch nicht perfekten Absolventen oder älteren Fachleuten Chancen zu geben, lautet die Zukunftsdevise für die Arbeitgeber.

Tillman Bruns, Berlin-Zehlendorf

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