Fußball-Bundesliga im Fernsehen : Geldgier im Spiel

Der Fußballfan muss vor „Ausbeutung durch Pay-TV“ geschützt werden. Der Satz klingt nach Oskar Lafontaine, stammt aber von Bernhard Heitzer. Der ist Chef des Bundeskartellamtes und damit ein Gralshüter des kapitalistischen Wettbewerbs.

Joachim Huber

Heitzer will Konkurrenz – auch bei der Verwertung der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga. Wenn schon Zentralvermarktung und Livespiele im Bezahlfernsehen zugunsten der Klubkassen, dann bitte auch eine zeitnahe Zusammenfassung der Spiele im Free-TV zugunsten der Fans. Die Liga heult auf, nie wieder Weltmeister, nie wieder Champions-League-Trophäen, der deutsche Fußball rutscht von einem Tag auf den anderen ins Niemandsland zwischen Moldawien und San Marino.

Noch sind die Rechte nicht verkauft, noch ist es für die Proletarier-Apokalypse zu früh. Die Profiklubs in ihrem Wahn – reich, reicher, Bundesliga – hatten sich erneut Leo Kirch an die Brust geworfen. Der hatte die Liga nach seiner Insolvenz schon mal in die Bredouille geführt, aber der Hasardeur hat die Liga dort erwischt, wo sie am schwächsten ist: bei der Geldgier. Also bekam Leo Kirch den Zuschlag für die Vermarktung bei gleichzeitiger Garantie, die TV-Erlöse von 2009 an um 30 Prozent zu steigern. Von 400 Millionen Euro pro Saison soll es auf über 500 Millionen gehen. Das geht nur über mehr Exklusivität im Pay-TV und einer auf nach 22 Uhr verlegten Free-TV-Verwertung.

So unmäßig die Liga ist, so doppelzüngig ist sie auch. Dieser durchkommerzialisierte Sport versteht sich als Volkssport. Das heißt, dass die Stadien von der Allgemeinheit bezahlt werden, ebenso der Einsatz der Polizei an den Spielwochenenden. Da halten sich die Klubs fein raus. Dann sollen die Fans einen mehr und mehr zerfledderten Bundesliga-Spieltag akzeptieren, auf dass die Sponsoren- und Fernsehgelder üppiger sprudeln. Die Kosten sozialisieren, die Einnahmen monopolisieren – das muss außer den Nutznießern keiner verstehen. Das Kartellamt hat gar nichts gegen eine lukrative Vermarktung, nur soll der Verbraucher nicht immer der Dumme sein. Profifußball in Deutschland: Hunderte von Millionen Euro gehen aus fremden Taschen an die Profiklubs, ohne dass die Frage nach qualitativer Gegenleistung auch nur gestellt werden darf. Im Paradies ist schlecht jammern.

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