Meinung : Fußball: Die ARD schweigt

Joachim Huber

Nein, Leo Kirch muss kein Fußball-Fan sein. Kirch ist Medienunternehmer, seine Gruppe hat eine Fernseh-Senderfamilie, die profitabel arbeitet, und sie hat ein Programm, das nicht profitabel arbeitet. Das Programm heißt Premiere World und ist ein werbefreier TV-Kanal, der nur über Abonnements finanziert wird. Zu wenige wurden bis heute verkauft. Deswegen macht Kirch Premiere World attraktiver. Bundesliga-Fußball ist attraktiv. Also entzieht Kirch dem frei empfangbaren Fernsehen die Berichterstattung: Nach dem Abpfiff am Samstagnachmittag bis zur "ran"-Sendung um 20 Uhr 15 in Sat 1 sollen für den Fan viele, viele Stunden liegen - der Entzug lässt sich nur mit einem Premiere-World-Abo bekämpfen.

Kirch ist Fernseh-Kapitalist. Er erzeugt Nachfrage, indem er das Angebot verknappt. Kirch ist stark. Er hat die Senderechte. Noch in keiner Fernseh-Fußball-Saison wie der kommenden hat der Unternehmer den Deutschen Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball-Liga GmbH (DFL) und die Sender so vehement auf seine Linie gezwungen. Die Fußball-Organisationen und die Vereine gehen klaglos mit, die dreistellige Millionen-Überweisung aus München ermöglicht den Profi-Sport. Wer bezahlt wird, schweigt.

Selbst die ARD lässt sich von Kirch dominieren. Aus ihrer öffentlich-rechtlichen Organisationsform und der gebührengestützten Finanzierung heraus müsste sie die Interessen der an Fußball interessierten Öffentlichkeit energisch wahrnehmen. Sie scheint aber willig, eisern gehaltene Grundpositionen aufzugeben. Ein fragwürdiges Geschäft deutet sich an. Für ein paar Schnipsel Bundesliga-Bilder in der "Tagesschau" um 20 Uhr wird das ARD-Radio zur Verhandlungsmasse. Bisher stand für die ARD die Leistung der Hörfunk-Reporter in den Stadien außerhalb jeder Diskussion um Rechte und Verwertung. Denn Fußball im Radio funktioniert nur durch den Reporter, durch die Leistung der Journalisten eben. Günther Koch und Manfred Breuckmann malen Sprachbilder, wo das TV nur abbildet.

Die Radio-Konferenzschaltung am Samstag ist zur Institution geworden, die den Bundesliga-Betrieb stützt. Nicht wenige Fans verzichten deswegen auf Premiere World, auf "ran", "Sportschau" und "Sport-Studio". Das weiß auch Leo Kirch, deshalb treibt er, als der Mann im Hintergrund, den Liga-Verband in Verhandlungen mit der ARD über die Radio-Konferenz. Auch hier ist sein Ziel wieder eine Verknappung des Angebots - weniger Fußball im Radio. Wenn die ARD, die in diesen Tagen sehr, sehr weich wirkt, diese Anweisung exekutiert, dann hat sie mehr verloren als nur ein paar Live-Minuten: Radio liegt dann auf einer Leistungs-, Rechte- und Verwertungsebene wie Fernsehen - auf der Kirch-Ebene.

Nun ist die ARD mehr als nur eine Arbeitsgemeinschaft von Hasenfüßen. Sie will auch künftig vom Duopol Kirch/DFB die Sendelizenz auf Fußball erwerben, sie will klug handeln und den Unternehmer Kirch und das Unternehmen Bundesliga überzeugen. Mit derartiger Klugheit ist den Verhandlungspartnern aber nicht beizukommen. Die ARD muss, gerade als öffentlicher Sender, stärker auf das öffentliche Gut Fußball setzen. Kirch hat Unrecht - und dass muss man deutlich machen. Er will unbedingt beweisen, dass seine fixe Idee vom finanzierbaren Abo-Fernsehen richtig ist. Dieses Experiment dürfen sich nicht alle aufzwingen lassen. Die Fan-Initiative "15:30" war gegen den DFB erfolgreich. Leo Kirch ist ein Gegner, der weit mehr Ruhm und Ehre verspricht.

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