Fußball und Politik : Innerer Reichsparteitag: Nichts ist, wie es scheint

Über schiefe Sprachbilder und sportliche Fehlurteile im ZDF, seltsame Prioritätensetzung in NRW und über eine Koalition, die hält.

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Haupteingang zum Nürnberger Reichsparteitagsgelände.
Haupteingang zum Nürnberger Reichsparteitagsgelände.Foto: ddp

Das Leben kann so grausam sein. Denn nichts ist, wie es scheint. Es zählt allein, was hinten rauskommt. Im Überschwang ihrer Gefühle sagte die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in der Halbzeitpause des Spiels Deutschland gegen Australien: „Für Miroslav Klose muss das doch ein innerer Reichsparteitag sein, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.“ Natürlich brandete sofort ein Sturm der Entrüstung auf, das ZDF wurde aufgefordert, sich von dem Spruch und dem Nationalsozialismus zu distanzieren. Aber weit gravierender als der sprachliche Lapsus ist doch wohl, dass dieses Klose-Tor, um in der ZDF-Sprache zu bleiben, Deutschlands inneres Auschwitz gewesen sein könnte. Weil dieses Tor den schwachen Klose rehabilitiert, muss er weiter aufgestellt werden, was Deutschland am Ende den Titel kosten wird. Sprachbilder sind manchmal schief, in diesem Fall indes hat sich das ZDF ein sportliches Fehlurteil geleistet – und die ganze Nation über ihre Misere getäuscht. Das ist unentschuldbar

Nichts ist, wie es scheint. Das gilt auch in Nordrhein-Westfalen. Hannelore Kraft von der SPD, etwas pampig, etwas trotzig, will aus der Opposition heraus regieren. Das wirkt kämpferisch, bedeutet im Ergebnis aber nur: Es bleibt bei der schwarz-gelben Mehrheit im Bundesrat. Vom Sparpaket über die Verlängerung der AKW-Laufzeiten bis zur Gesundheitsprämie wird die Bundes-SPD auf Korrekturen und Einsprüche verzichten müssen, damit Frau Kraft manchmal Herrn Rüttgers piesacken kann. Seltsame Prioritätensetzung.

Nichts ist, wie es scheint. Die Opposition markiert den dicken Max, sieht Schwarz-Gelb am Ende, verlangt Neuwahlen und tut so, als habe ihr Getöse irgendetwas mit der Realität zu tun. Ach ja, Joachim Gauck nicht vergessen. Dessen Kandidatur soll am 30. Juni Angela Merkel endgültig den Garaus machen. Dabei weiß jeder, wer am Abend des 30. Juni ziemlich dämlich dastehen wird – die SPD. Natürlich wird Christian Wulff im ersten Wahlgang glatt gewählt. Dann gibt’s einen neuen Präsidenten, den das Volk, wie alle Vorgänger, lieben lernen wird. Und die Koalition hält und hält und hält.

Glauben Sie mir, es macht nicht immer Spaß, recht zu behalten. Aber so ist es nun mal.

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