Fußball-WM : Wir sind Frau

Die deutschen Fußballspielerinnen sind furios in die WM gestartet. Die Republik jubiliert. Unser Kolumnist Helmut Schümann wundert sich über die plötzliche und latent verlogene Gleichstellung des Frauen-Fußballs.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann. Karikatur: Tagesspiegel
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Manchmal muss man sich eben aufs dünne Eis begeben. Mach ich jetzt, auch wenn dieses Eis noch dünner als dünnes Eis ist. Beim Thema Frauenfußball kann man als Mann nur einkrachen. 10:0 gegen die Elfenbeinküste, unsere „Wahnsinns-Mädels“, wie die „Bild“ sie nennt, haben gewaltig rumgeballert zum Weltmeisterschaftsbeginn in Kanada. Wenn es um Fußball geht, neigen wir in Deutschland zu einer gewissen Hysterie, ich auch.

Also die Wahnsinns-Mädels sind super, sind super, sind super. Der Fußball der Frauen ist genauso toll wie der der Männer. Toll, toll, toll, grandios, Mädels holt euch den Pokal, mit dem nächsten Sieg sind wir schon fürs Achtelfinale qualifiziert. Wir, ja wir, nicht ihr, wir alle, besonders auch die Männer, sind jetzt total identifiziert mit euch, wir sind nicht mehr Papst, wir sind jetzt Frau. Wir wollen Weltmeister werden, so wie die anderen, die vom anderen Geschlecht. Und Bastian Schweinsteiger sagt, dass viel mehr sich die Spiele anschauen sollten, er schaut natürlich leuchtend und vorbildlich. Lohnt sich nämlich, ihr Supermegawahnsinnsmädels, ihr Frauenmannschaft.

Äh, Frauenmannschaft, geht das überhaupt sprachlich? Es sind aber noch andere grundsätzliche Fragen zu klären, entnommen einem Fragenkatalog des oben erwähnten Boulevards. Was Sie schon immer wissen wollten:

„Sind die Spielerinnen auf dem Platz geschminkt?“ und „Haben unsere Frauen eine eigene Modelinie?“ oder „Dürfen die Frauen im Spiel Schmuck tragen?“ oder „Warum spucken Frauen nicht auf den Rasen?“ Auch interessant, wer die „Tattoo-Königin“ ist, wer die „Schöne“ und ob die „Spielerinnen- Männer“ auch mit zur WM reisen durften. Also exakt die gleichen Fragen, die wir uns stellten, nachdem die Männermannschaft damals Brasilien mit 7:1 aus dem Turnier scheuchte.

Diesmal hat die „taz“, dieses frauenverachtende Kampfblatt, noch eine ketzerische und verleumderische Fragen dazu gestellt, nämlich die, ob unsere Frauen so gut waren oder die der Elfenbeinküste einfach nur grottenschlecht. Für Letzteres gibt es zahlreiche Aussagen von männlichen und weiblichen Fußballfreunden (männlich, weiblich sind alphabetisch aufgelistet). Aber das kann eigentlich nicht sein. Der DFB hat seinem Männerteam gerade einen Namen gegeben: „Die Mannschaft“. Den Titel hat Frau Merkel erfunden, es braucht sich kein Superwahnsinnsmädel ausgeschlossen zu fühlen. Schließlich behandeln wir alle gleich.Helmut Schümann

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