Gabriel, Steinbrück und Steinmeier : Die drei von der Bank

Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier mahnen Kanzlerin Angela Merkel und zeigen Entschlusskraft.

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Drei wollten etwas sagen, aber rein machtpolitisch betrachtet hätten nur zwei von ihnen etwas zu sagen gehabt. Trotzdem haben sie den dritten mitgebracht, aus gutem Grund, denn auf den hören alle, weil man von ihm weiß, dass er meistens wirklich etwas zu sagen hat.

Sigmar Gabriel ist der Vorsitzende der SPD, Frank-Walter Steinmeier deren Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Peer Steinbrück ist – Abgeordneter, sonst nichts, eigentlich. Wenn die drei also vor der Bundespressekonferenz gemeinsam auftreten, hat das Symbolkraft. Ein solches Trio bildet sich ja nicht mal eben so, sondern da will die Macht der drei ein Signal setzen, gegen eine als desolat empfundene Bundesregierung und für die Medien: Europa in der Krise? Wir sagen, wie man da rauskommt.

Auf Gabriel und Steinmeier muss man also qua derer Ämter hören, bei Steinbrück aufzupassen, empfiehlt sich aber nicht nur, weil der noch etwas werden will – erst sozialdemokratischer Kanzlerkandidat, dann Kanzler nämlich – sondern weil der schon etwas gewesen ist, mit großem Erfolg, mit durchschlagender Autorität, Finanzminister in der großen Koalition und nach ziemlich übereinstimmendem Urteil zusammen mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel so etwas wie die Personifizierung erfolgreicher politischer deutscher Entschlusskraft.

An Entschlusskraft aber mangelt es der derzeitigen Regierung nicht nur nach Meinung der drei Sozialdemokraten, sondern auch nach Ansicht vieler Bundesbürger. Dass die Eurokrise sich genau deshalb immer mehr zuspitzt, sagen nicht nur Gabriel, Steinmeier und Steinbrück. In der Finanzkrise des Jahres 2008 haben Merkel und Steinbrück von vorne geführt, als sie gemeinsam dem Volk verkündeten: Wir garantieren euch die Sicherheit eurer Gelder. Gerhard Schröder hat als Kanzler von vorne geführt, als er die Arbeitsmarktreformen verordnete, die ihn zwar später das Amt kosteten, aber ohne Zweifel tiefe Verkrustungen in der deutschen Wirtschaft aufbrachen.

Angela Merkel aber, das ist auch die Botschaft der drei Sozialdemokraten, führt in der Eurokrise – und nicht nur da – allenfalls von hinten. Was, boshaft interpretiert, nicht heißt, dass sie von hinten kommandiert, sondern schaut, wohin die Truppe zieht. Deshalb ist das Angebot der Zusammenarbeit, das Gabriel und Steinmeier der Kanzlerin machen, bei aller wichtigen Signalwirkung auch eine leicht vergiftete Offerte: Wir tragen, sagen sie, auch unpopuläre Lösungen in der Öffentlichkeit und im Parlament mit. Was sie nicht sagen, aber denken: Wenn du dich schon nicht traust....

Tatsächlich helfen die drei Genossen der Kanzlerin vor dem Krisengipfel vom Donnerstag, indem sie Umschuldung und Schuldenschnitt im Falle Griechenlands propagieren. Nun ist das als deutsches Thema in der Welt. Dass es Steinbrück war, der es aussprach, der Einzige der drei ohne Amt, sollte Merkel doppelt ernst nehmen. Es zeigt nämlich, dass die SPD-Spitze klug genug ist, sich in der Krise als das zu präsentieren, was die Bundesregierung nun gerade nicht ist: Klar, entschieden und – einig.

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