Gabriel und der Ehrenbürger Hitler : Fast klar

4000 Städte und Gemeinden in Deutschland hatten Adolf Hitler während des „Dritten Reichs“ die Ehrenbürgerschaft verliehen, die meisten haben ihm die Ehre nach 1945 wieder aberkannt. In Goslar jedoch, der Heimatstadt Sigmar Gabriels, wird Adolf Hitler noch heute als Ehrenbürger geführt. Als junger Politiker forderte Gabriel die Aberkennung, inzwischen sagt er: „Heute finde ich es fast falsch, das zu machen.“ Sein Argument: „Man versucht sich da von etwas reinzuwaschen, von dem man sich nicht reinwaschen kann.“ Man sollte die Geschichte nicht umschreiben, da hat der heutige Gabriel vollkommen recht. Aber 70 Jahre nach Hitler darf sich eine Kleinstadt wie Goslar durchaus entnazifizieren – ohne sich dem Vorwurf der Hitler-Leugnerei auszusetzen. Eine solche Distanzierung kann schließlich gerade aus der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit folgen. Aber Gabriel steckt derzeit knietief in der deutschen Geschichte: Erst im Januar hatte er in einem Interview zum ersten Mal über seinen tyrannischen Vater gesprochen und ihn als bekennenden Nazi bezeichnet. So richtig für einen SPD-Vorsitzenden das Nachdenken über die deutsche Vergangenheit ist, so viel wichtiger ist es, dass er in der Gegenwart klar seine Meinung sagt. „Fast falsch“ nennt er die Aberkennung von Hitlers Ehrenbürgerwürde. Zu einem Thema, das er selbst so ernst nimmt, sollte er nicht nur fast eine Haltung haben. mos

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