Gaddafi bei Sarkozy : "Wir sind ziemlich enge Freunde"

In Frankreich wird der verlorene Sohn aus Libyen mit Pomp und Beduinenzelt in die Staatengemeinschaft aufgenommen. Vielen in der Pariser Regierung ist das nicht Recht.

Albrecht Meier
Sarkozy
Kostet den Erfolg aus: Muammar al Gaddafi wird mit allen Feierlichkeiten im Elysée empfangen. -Foto: AFP

Es ist eine diplomatische Aufwertung, wie er sie sich immer gewünscht hat. Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi ist von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zu einem Staatsbesuch nach Paris eingeladen worden, und den kostet der Wüstenherrscher aus. Bis Samstag dauert die Visite. Als Gaddafi vor seinem ersten Treffen mit Sarkozy am Montag in einer weißen Limousine vor dem Elysée-Palast vorfuhr, kam er 35 Minuten zu spät. Mit einer Delegation aus mehreren hundert Personen ist er angereist, und natürlich fehlte auch sein Beduinenzelt nicht im Gepäck. Es steht in Sichtweite des Elysée-Palastes. Dort kann er bei Bedarf Gäste empfangen. Journalisten, die ihn interviewen wollen, müssen ihre Fragen aber vorher schriftlich einreichen.

Es sind nicht solche berühmt-berüchtigten Extratouren, die Gaddafi in den Augen seiner Kritiker zu einem Gast machen, der besser zu Hause geblieben wäre. Wenn die Pariser Menschenrechtsstaatssekretärin Rama Yade vom „Blut seiner Untaten“ sprach, dachte sie womöglich an die bulgarischen Krankenschwestern, die Gaddafi erst im Juli aus jahrelanger Haft entließ. Angeblich hatten sie hunderte Kinder in einem Krankenhaus in der Hafenstadt Bengasi mit dem HI-Virus infiziert.

Sarkozys aufmüpfige Staatssekretärin Rama Yade ist nicht die Einzige, die den roten Teppich für Gaddafi als überflüssig betrachtet. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner speiste am Montagabend lieber mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier in einem Pariser Restaurant, anstatt dem Revolutionsführer die Hand zu schütteln. Und als Gaddafi die Nationalversammlung besuchte, fehlte die linke Opposition.

Sarkozy kann damit leben, dass die Sozialisten den Besuch Gaddafis geißeln. Über die innerparteiliche Kritik, wie sie etwa von Staatssekretärin Rama Yade kommt, dürfte er allerdings kaum ohne weiteres hinwegsehen. Frankreichs Staatschef ist der Überzeugung, dass es an der Zeit ist, Gaddafis Rückkehr in die Staatengemeinschaft auch mit großer Geste zu dokumentieren. Im Jahr 2003 hatte der libysche Herrscher den Verzicht auf ein geheimes Atomwaffenprogramm erklärt. Wer dem Terrorismus abschwört, verdient Unterstützung, begründete Sarkozy nun seine Einladung. Sie mündet in milliardenschwere Bestellungen – auch an einen Export der französischen Rafale-Kampfjets ist gedacht. Ihn und Sarkozy verbinde eine enge Freundschaft, sagte Gaddafi, nachdem der Deal unterzeichnet war. Albrecht Meier

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