Meinung : Gänsehaut pur

„Säulen aus Luft“ vom 30. Dezember

Ergänzend zu dem interessanten Beitrag über die Ausstellung im Musikinstrumentenmuseum „Valve, Brass, Music – 200 Jahre Ventilblasinstrumente“ ist festzuhalten, dass die Erfindung der Ventile nicht nur zukunftsweisend für Blaskapellen und Profimusiker gewesen ist, sondern auch den Grundstein für die Posaunenchorbewegung in der evangelischen Kirche gelegt hat. Die von der Herrnhuter Brüdergemeine im 18. Jahrhundert ausgehende geistliche Bläsermusik wurde zunächst nur mit Zugposaunen ausgeübt. Später kam das Klappenhorn als Melodieinstrument hinzu. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte sich der Initiator dieser deutschlandweiten Bläserlaienbewegung, Pastor Johannes Kuhlo, die Ventilerfindung zunutze und entwickelte mit dem Bielefelder Instrumentenbauer David das in seiner Mensur weit gebaute eiförmige Flügelhorn (auch Kuhlohorn genannt), das den weichen Klang der Posaunenchormusik bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestimmte. Nach und nach lösten Trompeten in moderner Bauweise mit Dreh- bzw. Perinetventilen die Flügelhörner weitgehend ab.

Heute sind unter dem 1994 gegründeten Dachverband, dem „Evangelischen Posaunendienst in Deutschland (EPiD)“, 28 Werke mit rund 105 000 Mitwirkenden in 6200 Chören aus den verschiedenen Landeskirchen und Verbänden vereint. Einen Höhepunkt erlebte dieser Musikzweig, als während des Deutschen Evangelischen Posaunentages am 1. Juni 2008 im Leipziger Zentralstadion 15 761 Bläserinnen und Bläser gemeinsam musizierten – ein Gänsehauterlebnis pur, das als Musikveranstaltung mit dem größten Posaunenchor der Welt zu einem Eintrag in das Guinnessbuch der

Rekorde führte und ohne die Erfindung der Ventile nicht denkbar gewesen wäre.

Klaus Renner, Berlin-Heiligensee

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