Meinung : Gäste machen kaum Arbeit

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Wenn das nicht zum Jubeln ist: Im Berlin-Tourismus gibt es mit mehr als 15 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekord zu verzeichnen. Wenn das nicht zum Trauern ist: Die Hauptstadt hat in diesem Jahr 30 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. Schlimmer noch, Berlin ist seit zehn Jahren bei der wirtschaftlichen Entwicklung vom Bundestrend abgekoppelt und fällt immer weiter zurück. Besonders stark bröckeln die Arbeitsplätze in Industrie und Baugewerbe – inzwischen wird Berlin bei der Arbeitslosenquote nur noch knapp von Mecklenburg-Vorpommern übertroffen. Deshalb sind auch die Konsumausgaben an der Spree deutlich geringer als im übrigen Bundesgebiet; seit 13 Jahren verzeichnen die Einzelhändler sinkende Umsätze. Das lange Jammern der Berliner Landesregierungen über den zu schnellen Abbau der Berlin-Hilfen nach dem Mauerfall kann die Misere allein nicht erklären. Heute zeigt sich, dass der schwerste Fehler darin lag, den Zusammenbruch der Industrie als unvermeidlichen Strukturwandel hinzunehmen und von einer Dienstleistungsmetropole zu träumen. Denn die Beschäftigungseffekte reichen nicht, trotz des boomenden Tourismus. Die Statistik zeigt, dass in den vergangenen zehn Jahren nicht genügend getan worden ist. Berlin ist eine Reise wert – um aber einen Betrieb dorthin zu verlagern, braucht es mehr. Etwa einen Senat, der sich wirklich kümmert. gn

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