Meinung : Gala-Dinner mit Smoking und Risiken

Bush besucht Blair – und beide versuchen, sich nicht zu schaden

Matthias Thibaut

George Bushs Staatsbesuch in Großbritannien galt bereits als politische Katastrophe, bevor er überhaupt begonnen hatte – auch ohne die Warnungen vor Terror und Demonstrationschaos. Wenn man sich wenigstens auf eine Irak-Siegesfeier hätte freuen können. Doch, wie die Dinge liegen, soll Premier Blair mal wieder als Pudel des amerikanischen Präsidenten herhalten, als Wahlkampfhelfer. Dabei könnte Blair selbst gut Hilfe gebrauchen, die Briten wählen vermutlich in 18 Monaten. Und Blair möchte sich nach zwei vom Irak dominierten Jahren wieder als innenpolitischer Reformer profilieren.

Auch für Bush ist die Sache nicht ohne Risiko. Die Briten und Tony Blair sind in den USA zwar beliebt wie eh und je, die Amerikaner werden die TV-Bilder von Bush im gemieteten Frack beim Galadinner im Buckingham Palast verschlingen. Aber wenn die Kriegsgegner wieder eine so beeindruckende Großdemonstration wie im Frühjahr auf die Beine stellen, werden die Bilder aus London auch unangenehme Botschaften transportieren.

Dennoch sagt Tony Blair mit kämpferischem Trotz, Bush komme zum „genau richtigen Zeitpunkt“. Der Besuch soll genutzt werden, um neben dem unvermeidlichen Jubel über die „special relationship“ eine neue Botschaft zu transportieren: Es geht um den Inhalt dieser Beziehung und um die Zukunft der amerikanisch-europäischen Partnerschaft. Bush bietet sich eine große Bühne. Wenn er wirklich der charmante, prinzipienstarke, global denkende und weise zuhörende Politiker ist, als den Tony Blair den amerikanischen Freund preist – in London hat der die Chance, es zu beweisen. Er selbst scheint das zu verstehen. Mit Interviews hat Bush hart vorgearbeitet und sogar höchstes Lob für Kanzler Schröder und den deutschen Afghanistan-Einsatz gefunden. Die jüngste Umfrage des „Guardian“ zeigt, dass zumindest die Briten überzeugungsfähig sind: Eine klare Mehrheit begrüßt Bushs Besuch. Sie hält nichts von unbeirrbarem Antiamerikanismus und folgt Blairs Axiom, die USA seien eine Kraft für das Gute in der Welt.

Auf der anderen Seite muss Blair zeigen, dass die Sonderbeziehung keine Einbahnstraße ist. Wer im Stillen wirke, sagt er, habe mehr Einfluss als jene, die öffentlich schimpfen und kritisieren. Britische Diplomaten werten es als Erfolg dieser Strategie, dass die USA international eingebunden bleiben und nicht in die Isolation abgerutscht sind. Doch Blair muss noch belegen, dass seine Stimme bei Bush tatsächlich Gewicht hat – von Stahl und Welthandel bis zum Kyotoprotokoll und Guantanamo. Und, am allerwichtigsten: beim Thema Palästina. Bush bezeichnet den Nahen Osten als eine Aufgabe, bei der Europa und die USA zusammenfinden können.

Am Montag kommt der französische Präsident Chirac nach London. Ein paar klare Worte, mit denen Bush auf Europas Wünsche eingeht, wären eine große Hilfe für die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft.

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