Meinung : Ganz unblutig

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Wann ist ein Krieg kein Blitzkrieg mehr? Nach drei Tagen, zwei Wochen? Es gibt ein klares Zeichen für diesen Zeitpunkt, nämlich das Eintreffen der Truppenbetreuer aus der Heimat. Früher mussten sie eigens an die Front reisen, heute läuft die Sache per EMail. Und bitte: Am Montag hat der „Playboy“ die „Aktion Playmate“ aufgenommen, den Kontakt der Soldaten mit den Schönen ihres Herzens. Und ganz sittsam: Werden Fotos verschickt, zeigen sie keine Nackten, nur formschön verhüllte Rundungen. Das übrigens geschieht nicht, weil die Soldaten noch nicht 18 sind – manche erwecken diesen Eindruck –, sondern mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle arabischer Verbündeter. So sensibel können die Amerikaner sein! Umgekehrt wartet hier eine furchtbare Waffe, die an den nie erprobten Vorschlag Michel Houellebecqs erinnert, die Taliban mit Dessous und Nylons zu bombardieren; nur ein paar Sprengköpfe mit alten Playboy-Heften, die sich über den Republikanischen Garden öffnen, und alles könnte vorbei sein. Saddams furchtbare Krieger müssten vor nackten Busen und Beinen um ihr Leben laufen, und die US-Psycho-Krieger würden ihnen sicherheitshalber per E-Mail teuflische Pornofotos hinterher schicken. Massenvernichtungswaffen! Und ganz ohne Blut. Aber die Puritaner im Weißen Haus fürchten sich wohl auch davor.

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